Ohne Bienen kein Leben

Umwelt Imker Peter Bünting gab wertvolle Hinweise zum Umgang mit Hautflüglern

Schortens– /Peter Bünting kann sich derzeit vor Arbeit kaum retten. Jeden Tag schwärmt der Sander Imker, der zu den Hautflüglerbeauftragten des Landkreises Friesland zählt, zwei- bis dreimal aus, um Bienenschwärme einzusammeln, die ihm gemeldet wurden. Deshalb hätte er nie im Mai einen Vortrag gehalten. „Haben Sie neulich die Feuerwehr durch Roffhausen fahren sehen?“, fragte er seine Gäste beim Heimatverein Schortens von 1929 e.V. „Das war ich. Aus 14 Metern Höhe haben wir am Kindergarten dort einen Bienenschwarm eingefangen“. Die Telefone laufen heiß. Seine Kollegen in Zetel haben sogar sechs bis sieben Schwärme in den letzten Tagen eingefangen. Sie entstehen, wenn es ein großes Nahrungsangebot gibt. Dann bestimmt das Volk die Teilung, legt eine neue Zelle für die Königin an, die in 16 Tagen schlüpft. Kurz vorher schwärmt der Schwarm aus. In der Natur könnten diese abgeteilten Schwärme nicht überleben, da es an hohlen Bäumen oder Spechthöhlen bis 60 Liter fehle. „Völker kann man nicht genug haben. Außerdem gibt es viele Neu-Imker“, sagte Peter Bünting. Auf seinem Stand habe er noch fünf Kästen frei. Seinen mit geschätzten 50 000 Bienen größten Schwarm hat er gerade am Klosterpark eingefangen. Sonst seien Schwärme halb so groß. Zehn Bienen bringen ein Gramm auf die Waage. In seinen Bienen-Transportkasten passten sie kaum hinein. Auch Hummelvölker hat er bereits gerettet, wenn sie Bauvorhaben im Wege standen. Sie wurden fünf Kilometer weiter abgesetzt, etwa das Doppelte ihres Flugradius‘.

Es war 2011 in Schweden, als Peter Bünting in einem Naturkundemuseum einem Bienenschwarm zwei Stunden lang fasziniert zusah. Da fiel ihm sein Traum, sich mit Bienen zu befassen, wieder ein. Heute gibt es beim Regionalen Umweltzentrum ebenfalls einen Schaukasten mit drei Rähmchen und demnächst einen in Alt-Marienhausen, berichtete der Sander. Dort stehen auch zwei traditionelle Stülper aus Roggenstroh, die er 2023 belegen will. Zum Hautflüglerbeauftragten sei er dann geworden, als dieses Amt vergeben wurde und er nicht, wie viele andere, einen Schritt zurück tat.

Peter Bünting beklagte das massive Bienensterben. 70 Prozent des Unkrautvernichters Glyphosat kaufe die Deutsche Bahn. Diese sei schuld daran, dass sieben seiner Bienenvölker in Sanderbusch starben, die am Bahndamm standen und begast wurden, obwohl im Protokoll der Fahrt stand, der Lokführer habe die Bienenstöcke wahrgenommen. Und ein Volk habe immerhin den Wert von 400 Euro. Kürzlich habe er eine Karikatur gesehen, in der Menschen Mückengitter, Insektenvernichter und Honig kaufen wollten. Nicht nur Honig, sondern 80 Prozent aller Lebensmittel seien von Insektenbestäubung abhängig. Windbestäubung reiche bei weitem nicht, Erdbeeren zum Beispiel blieben dann schrumpelig. Und auch Hummeln, Schmetterlinge, Wespen, Hornissen und Fliegen bestäubten nicht annähernd so gut wie Bienen. Von denen gebe es 570 europäische Sorten, von ihnen zehn Honigbienenarten. Hummeln lebten in Völkern von nur 500 Individuen.

Solitärbienen, die 20 bis 30 Meter weit fliegen, legten ihre Eier in nach hinten geschlossenen Röhren in Bienenbrot aus Nektar und Pollen ab. Dies müsse man beim Bau eines Insektenhotels wissen. Honigbienenköniginnen schaffen bei ihrem einmaligen Begattungsflug Strecken von bis zu 20 Kilometer, werden fünf Jahre alt und in dieser Zeit 30mal begattet, aber nur beim einmaligen Begattungsflug.

Hautflügler, zu denen auch die Honigbienen gehören, können als einzige Lebewesen das Geschlecht ihres Nachwuchses selbst bestimmen. Die Arbeiterinnen der Honigbienen fliegen ein Drittel ihres Lebens und schlafen nie, haben sich damit in sechs Wochen kaputtgeflogen, und ernähren sich in der Zeit von Nektar und Honig.

Seit 1978 die Varroamilbe aus Asien eingeschleppt wurde, saugt diese die Lymphe der Maden aus, was diese verkrüppeln lässt. Drohnenbrut, die am längsten zur Entwicklung brauche, werde bevorzugt befallen.

Imker tauschen Honig gegen Zuckersirup. Je mehr Pollen eine Biene aufnimmt, desto mehr unverdauliche Asche fällt an. Die Bienen können sie erst beim ersten Ausfliegen nach drei oder vier Monaten ausscheiden. „Dann sollte man keine Wäsche im Garten aufhängen“, riet Peter Bünting. Wegen des Klimas gibt es ab Oldenburg nordwärts übrigens Bienenkästen aus Styropor statt Holz.

Helle Imkerkleidung sei Tarnung, denn Bären, die Feinde der Bienen, seien dunkel und stänken, weshalb er, bevor er zu seinen Bienen geht, ohne Shampoo duscht, sagte der Referent. Die Biene Maja sei übrigens eigentlich eine Wespe, gelb-schwarz wie Borussia Dortmund. Bienen seien so friedlich, dass er sich mitten in einen Schwarm stellen kann. Bei Wespen sei er weniger entspannt und gebe Hackengas.

Hummeln fängt Peter Bünting in 40x40x40 Zentimeter großen Kästen mit Schuhkarton darin und einem Rohr mit Klappe nach außen, die Hummeln zu öffnen lernen. Es ist einem Mauseloch nachempfunden. Von 30 Kästen sind bis zu zehn im Sommer belegt. Es gibt sogar Deichhummeln, deren Löcher aber schnell von Schafen zugetreten werden.

Bienen, Hummeln und Wespen stechen alle, wobei Wespen am aggressivsten sind. Wespen nehmen zusätzlich oft Keime auf. Hornissen, im Prinzip große Wespen, können ihr Gift dosieren. Es gibt eine europäische und eine asiatische Art. Alle diese Insekten haben 30 000 Augen pro Kopfseite und sind daher sehr bewegungsempfindlich. „Sauer, sauer, sauer“ zu sagen bringt hingegen nichts, da die Tiere kein Gehör besitzen. Die Zerstörung eines Wespennests koste 20 000 Euro, die eines Hornissennests sogar 50 000 Euro Strafe.     

Bienen gebe es seit 80 Millionen Jahren, erfuhren die Gäste. Die Ameise stamme von ihnen ab. Männliche Ameisen können auch fliegen. Bienen bauen klimatisch perfekte Kammern, in denen es durch Zirkulationsbereiche stets 36 Grad warm sei. Um die nötige Bestäubungsleistung zu erhalten, müsste jeden Kilometer ein Volk leben. Mit 700 000 Bienenvölkern gebe es deutschlandweit ein Drittel weniger als vor 100 Jahren. „Ich habe im Winter zehn Völker verloren und kaufe mehr Futter, als ich Honig verkaufe“, berichtete Peter Bünting. Die Hälfte der verlorenen Völker hat er durch die Eingefangenen wieder ausgeglichen. Corona und die Trockenheit machen die Bienenvölker kaputt. Denn die rund 1000 Tiere starken Wespenvölker fanden wenig Nahrung, weil nicht gegrillt wurde, Cafés zu waren und viel Obst gesammelt wurde. Also gingen sie an die Bienenkörbe, auch Beute genannt. Und bei Trockenheit bilden Pflanzen Blüten, aber keinen Nektar.        

Peter Büntings Fazit: Die Menschen schlagen sich um Toilettenpapier und hamstern Rapsöl, das dann die Dichtungen ihrer Motoren angreift, wenn man es als Treibstoff nutzt, und sorgen damit für teurere Pommes frites. Wie würden sich die Menschen verhalten, wenn die Lebensmittel wirklich deutlich knapper werden? Ohne Bienen wird Raps nur zu 20 Prozent bestäubt, mit Bienen zu 100 Prozent. Ohne Bienen gebe es kein Vitamin C, und Rinder, die nur Gras ohne blühende Kräuter fräßen, bekämen Mangelerscheinungen. Am liebsten würde er ständig über dem Land Samen für Blütenpflanzen verteilen, um Bienen und anderen Insekten zu helfen. Löwenzahn sei wegen seiner frühen Blüte ideal und beuge mit seinen langen Wurzeln Bodenerosion vor. Sogar an Deichinnenflächen gebe es Versuche mit Blühstreifen, sagte Peter Bünting am Vorabend des Welt-Bienentags.  

Regionale Frauenarbeit in den Fokus gerückt

Frauen stellten einen erheblichen Anteil am Aufschwung Nachkriegsdeutschlands und speziell der Olympia-Werke Roffhausen. Dies untersuchte Dr. Regina Rüdebusch aus Varel, die damit an der Universität Hamburg den Doktorgrad der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte erwarb. In den Räumen des Technologie Centrums Nordwest (TCN) auf dem früheren Olympia-Werksgelände stellte die studierte Lehrerin für Geschichte und Mathematik ihre Arbeit mit dem Titel “Frauenarbeit in der Industrie in den Jahren des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders (1948 – 1966) am Beispiel der Olympia-Werke“ (Oldenburger Studien Band 94, Isensee Verlag Oldenburg 2021, gefördert durch die Oldenburgische Landschaft) vor. Mit dabei waren Frank Schnieder (TCN-Geschäftsführer), Ina Wiemers (TCN-Bürokommunikation), Peter Homfeldt (Leiter des Olympia-Museums im gleichen Hause), Johannes Peters (Vorsitzender Heimatverein Schortens von 1929 e.V.) und Verleger Florian Isensee. Johannes Peters hatte für die kleine Runde eigens einen Kuchen gebacken.

Dr. Regina Rüdebusch beschrieb, wie sie zur Geschichte der Olympia-Werke kam. Zwar gebe es in ihrer Familie keine „Olympianer“. Jedoch suchte sie für ihre erste Staatsexamensarbeit an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg 2008 ein regionalhistorisches Thema. „Ich dachte, ich klopfe
mal beim TCN an und stieß gleich auf offene Ohren“, erinnerte sie sich. Ebenso war es beim damaligen Vorsitzenden des Heimatvereins Schortens von 1929 e.V., Alfred Amman, selbst „Olympianer“. Schnell war auch die Idee eines Olympia-Museums geboren. Auf einen Zeitungsaufruf hin stand bald der halbe Vorraum der TCN-Geschäftsführung voller Schreibmaschinen, von denen Dr.
Regina Rüdebusch selbst eine besitzt. Peter Homfeldt bestätigte, erst am Morgen habe noch jemand telefonisch eine Schreibmaschine angeboten, um sie nicht verschrotten zu müssen.

Dr. Regina Rüdebusch fiel bei der Beschäftigung mit dem Thema der hohe Frauenanteil in den Olympia-Werken der 1950er und 1960er auf. Er lag in jener Zeit, als Frauenarbeit in der Industrie wenig akzeptiert war, bei gut 60 Prozent. Die Doktorandin untersuchte die Wechselwirkungen der Frauen zum Unternehmen. Teile ihrer Quellen lagen im Deutschen Technikmuseum Berlin. „Die Werksschließung ging holterdipolter, daher lässt sich kaum mehr nachvollziehen, wo Akten sind“, so Peter Homfeldt. Im Stadtarchiv Schortens habe er weitere Quellen, unter anderem Listen sämtlicher Olympia-Lehrlinge.

Frauen, die sie befragen konnte, fand die Varelerin schwer. „Männer besuchten Stammtische oder Kegelclubs, Frauen nicht“, nannte sie einen Grund. Frauen mussten die Genehmigung ihres Ehemannes einholen, um arbeiten zu dürfen, fügte Peter Homfeldt an. Nach der Heirat verlor sich mit der Namensänderung ihre Spur. Hier half der Heimatverein. Eine ehemalige „Olympianerin“ kannte
die andere. Doch manche meinten, da sie nicht zur Vorstandsetage gehörten, hätten sie doch nichts zu erzählen. Aber Dr. Regina Rüdebusch wollte ja gerade Geschichten vom Fließband hören, wo Frauen in der Fertigung und Hilfsfertigung, im Federbau, in der Schriftrichterei, an der Bohrmaschine oder als Werkstattschreiberin tätig waren. Eine Interviewpartnerin war als Vorstandssekretärin ihr ganzes Berufsleben lang bei den Olympia-Werken, eine andere war Leiterin des Werkstoff-Prüflabors. Aus der Unternehmenszeitung „Olympia-Ring“ erfuhr die Historikerin von der Werksschwester. „Mich
interessierte, welche Lebensmodelle es gab“, berichtete Dr. Regina Rüdebusch. Ein Großteil der Frauen ging, wie die Männer, gleich nach der Schule in die Firma. Da viele Frauen nur sechs Wochen am Band angelernt waren, konnten mit ihnen in der Fertigung Lohnkosten eingespart werden. Exemplarisch wertete die Historikerin Lohnzettel, die kaum jemand über Jahrzehnte aufhebt, aus zwei Jahren aus. Viele Mädchen wurden zu Bürogehilfinnen ausgebildet. Sie begannen als Laufmädchen, die zwischen den Büros Verbindungsgänge machten. Drei Jahrgänge wurden im gewerblichen Bereich und der Feinmechanik, eventuell als technische Zeichnerinnen, ausgebildet. Die meisten Frauen blieben bis zur Geburt des ersten Kindes. Geburtsanzeigen im „Olympia-Ring“ mit Abteilungsnummern der Eltern künden davon. In dieser Zeitschrift wurde Frauenerwerbstätigkeit thematisiert. Es gab Tipps, Hausarbeit neben dem Beruf zu erledigen, zu Mode und Schönheit, etwa,
dass das Kleid durch Umnähen des Kragens moderner wirke. Weitere Gründe, weshalb so viele Frauen „Olympianerinnen“ wurden, waren die Vertriebenensiedlung gegenüber, die Kindergärten und die gute Erreichbarkeit mit Bussen.

Die Ausgangslage der Ansiedlung der Olympia-Werke sei von der Strukturschwäche der Region geprägt gewesen, führte Peter Homfeldt, der hier ab 1953 zum Feinmechaniker ausgebildet wurde, aus. Nach dem Ende der Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven, dessen Materiallager sich in Roffhausen
befand, war diese Ansiedlung ein Glücksfall. Die Region war dadurch von Arbeitskräften leergefegt.

Nach dem Untersuchungszeitraum seien in den 1970ern Standorte der Olympia-Werke dort eröffnet worden, wo man viele Frauen vermutete, die mit dem Rad zur Arbeit fahren und sich etwas dazuverdienen wollten, ergänzte Peter Homfeldt. Dr. Regina Rüdebusch hat Projektverträge beim Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und arbeitet an der Weiterentwicklung von Media Guides und der Inklusion. „Das Thema passt hervorragend in unser Verlagsprogramm und zeigt eine vernachlässigte Perspektive“, meinte Florian Isensee.

Ina Wiemers berichtete von den Gästeführungen. Sie wurden nach Eröffnung des Olympia-Museums stets mittwochs nachmittags angeboten und kamen gut an. „Bei der Frage, wer „Olympianer“ war, gingen Dreiviertel der Hände hoch. Dabei kamen locker 700 Dienstjahre zusammen“, erinnerte sie sich. Peter Homfeldt ergänzte, heute fragten Enkel nach einem Besuch im Olympia-Museum für den Großvater zu dessen 80. Geburtstag oder Goldhochzeit. Statt fester Öffnungszeiten werden derzeit Gruppen nach Vereinbarung geführt. Ihnen werden einzelne Interessierte gern zugeordnet.

Erbschaft bringt Heimatverein in Bedrängnis

Geschichte Der Heimatverein Schortens von 1929 e.V. erhielt eine Bauernstube vermacht
Schortens- /Johannes Peters, Vorsitzender des Heimatvereins Schortens von 1929 e.V., und Ingrid Baron aus dem erweiterten Vorstand freuen sich, dass ein Mitglied dem Verein seine Bauernstube vermacht hat. Der Erblasser, der bereits vor 23 Jahren verstarb, sammelte Haushaltsgegenstände sowie Arbeitsgeräte und baute sie in seinem Keller auf. Er habe stets zugesagt, dass der Heimatverein Schortens von 1929 e.V. diese Artefakte erben soll. Nun verstarb kürzlich die Witwe des Heimatfreundes. Deren Sohn sei gerne bereit, das
Versprechen seines Vaters einzulösen, so Johannes Peters. Demnächst sollen die Torf- und Kleispaten, das Tragejoch für Milchkannen, der Dengelhammer für Sensen, die Ofenplatte mit eigenem Gestell, das Spinnrad, das Messer zum Rübenhacken, das Jagdhorn, die Tabakspfeifen und Butterfässer, der Bauernschrank und die übrigen historischen Gegenstände verpackt und ins Heimathaus gebracht werden. Und da beginnt das Problem, wie Johannes
Peters sagt. Denn dort sei nur Platz, wenn die Ostdeutsche Sammlung, ein Sondervermögen der Stadt Schortens, zusammengerückt würde. Dabei würde der Heimatverein Schorens von 1929 e.V. gerne beides angemessen und mit Beschilderungen barrierefrei präsentieren. Daher sei, so Johannes Peters, eine größere, dauerhafte Ausstellungsmöglichkeit wünschenswert.
Dann könnten beide Ausstellungen von Kindergärten und Schulklassen besucht werden. Er regte zudem an, die Gegenstände der Bauernstube auf der Vereinshomepage als „Exponat des Monats“ zu zeigen. Besucher der Homepage könnten dann raten, um was es sich jeweils handelt.