Dieses Jahr fand die Veranstaltung am 04. Juli wieder im Heimathaus statt. Mehrere Tische wurden in den Räumen aufgestellt, an denen sich die Besucher
gemütlich unterhalten konnten. Eine reiche Auswahl selbstgebackener Kuchen standen zur Auswahl.
Tagesfahrt entlang der Deichlinie im Butjadinger Land
18. Juni – Bei herrlichstem Wetter begrüßte uns unser Reiseleiter Hans-Heinrich Schrievers in unserem restlich ausgebuchten Bus. Auf dem Weg zum ersten Halt in Sehestedt erzählte er von den großen Auswirkungen des zwischen 1596 und 1615 entstandenen rund 4 km langen Ellenser Dammes. Nach dem Tode von Maria von Jever fiel die Herrschaft Jever an die Grafschaft Oldenburg. Das Schwarze Brack trennte beide Landesteile, die nur unter Wegezollabgabe über ostfriesisches Gebiet erreichbar waren. Graf Johann VII von Oldenburg plante gegen den Willen der ostfriesischen Sielorte die sehr aufwändige Eindeichung der gesamten Bucht. 1600 ha Land wurden zurückgewonnen und nach weiteren Landgewinnungsmaßnahmen wurde aus dem Schwarzen Brack wieder Festland.
Der erste Halt war das Schwimmende Moor von Sehestedt, das einzige Außendeichsmoor der Welt. Das Moor war ursprünglich im Binnenland, aber wegen fehlender Deiche konnte der Jadebusen nach und nach bis zum Moor vordringen und bei Sturmfluten wurde das Moor vom Wasser angehoben, wobei große Moorflächen verlorengingen. Wegen des Hochwasserrisikos für das angrenzende Marschenland wurde am Moorende ein Deich gebaut, der aber keine große Festigkeit hatte und mit bis zu 25m tiefen Spundwänden verstärkt werden musste.

Es wird immer schwieriger, deichbaufähigen Klei zu finden, denn er muss 30% Tonanteile haben. Da der Maulwurf als großer Schädling sich bis zu 1,5m in den Deich eingräbt, ist außendeichs eine Kleischicht von 2m und innendeichs eine von 1,5m, damit er nicht bis zum inneren Sandkern des Deiches gelangt. Der Deichband hat eine Ausnahmegenehmigung ganzjährig Deichschädlinge wie Maulwurf, Nutria oder Fuchs zu bekämpfen.
In Butjadingen sind schon die Entwässerungsgräben mit Staustufen ausgerüstet worden, damit für Trockenzeiten Wasser für die Landwirtschaft in den Gräben zur Verfügung steht.
Die nächste Station war das Preußeneck. Für den geplanten Bau eines
Kriegshafens hat Preußen 1853 Ländereien gekauft, einmal das Gebiet des heutigen Wilhelmshavens und auch gegenüberliegend in Butjadingen, das heute Preußeneck heißt. Für den sicheren Schiffsverkehr zu den Wilhelmshavener Häfen wurde 1962 das Oberfeuer Preußeneck errichtet.

2012 wurde das Oberfeuer abgeschaltet, von einer Bürgerinitiative übernommen und für Besucher im Rahmen von Führungen begehbar gemacht.

Ein Denkmal erinnert an den legendären Verbandsvorsteher Kapitän Anton Hullmann, eine imposante Erscheinung von fast 4 Zentner. Er hat sich schon 1955 für vorausschauenden Küstenschutz um Gelder bemüht und so eine Katastrophe bei der Sturmflut Februar 1962 verhindert.
Nach einem ausgiebigen Mittagsbüfett in Butjadingen ging es dann zum
Langwarder Groden, der eine Ausgleichsfläche für den JadeWeserPort ist. 2014 wurde der Sommerdeich aus den 30er Jahren auf 900m geöffnet und 140 ha Weidefläche wurde wieder den Gezeiten durch tägliche zweimalige Überflutung ausgesetzt. Es ist ein durch einen Bohlenweg begehbares beliebtes
Naturbeobachtungsgebiet entstanden.
Als Kunst am Deich wurde eine durch den Verkauf von signierten Pflastersteinen bezahlte Skulptur „Der Turmbau zu Babylon“ errichtet.
Eine Rast bei Kaffee, Tee und Kuchen im “Hof Iggewarden“ beendete eine schöne Fahrt.
Teile des Klosters leben bis heute fort
(von Henning Karasch)
Vortrag Heimatverein Schortens von 1929 e.V. hatte Prof. Dr. Antje Sander zu Gast
Schortens- /Eines der Hauptanliegen des Heimatvereins Schortens von 1929 e.V. ist die Erhaltung von Klosterpark und Turmruine Oestringfelde. Zudem geht das jährliche Güstkinnelbeer der Vereinsmitglieder auf das Jubiläum der Tötung des, zumindest vorerst, letzten Wolfes im Bereich der früheren Klosterstätte zurück. Da lag es nahe, Prof. Dr. Antje Sander vom Schlossmuseum Jever zu einem Referat über das Kloster Oestringfelde
einzuladen.
Dieser Ort, an dem angeblich die Oestringer von Willehad getauft wurden, sei seit jeher „Kraftquelle“ gewesen, so die Referentin. Aus der nicht erhaltenen Oestringer Chronik habe Remmer von Seediek im 16. Jahrhundert übertragen, dass die Klostergründung vor einer Schlacht gegen Rüstringer, Harlinger, Auricher und Brookmerländer 1175 von den Oestringern gelobt worden sein soll. Im Kloster sei eine Gemeinschaft von Weltgeistlichen begründet worden, die auch wirtschaftlich bedeutsam für das Jeverland war. „Über die ersten
150 Jahre gibt es, wie von Klöstern auf der ganzen ostfriesischen Halbinsel, keine schriftliche Überlieferung“, bedauerte Prof. Dr. Sander. Sie sei jedoch auf der Spur, und im Ruhestand werde sie Quellen zusammentragen, die sich auf Pergamentblättern finden lassen, in die zu Zeiten Marias von Jever etwa Rechnungsbücher eingeschlagen wurden. Denn die Schriften aus der Klosterzeit wurden nach der Reformation nicht mehr gebraucht und daher das Pergament wiederverwendet.
Der Turm, dessen Ruine vom Landschaftspark Hofrat Heinrich Georg Ehrentrauts umgeben ist, soll 1223 ans Kirchenschiff angebaut worden sein. Nach einem Brand 1272 sei das Kloster nur noch teilweise bewohnbar gewesen. 1350 kamen Dominikanerinnen aus Norden ins Kloster Oestringfelde. Im 15. Jahrhundert übernahmen Häuptlingsgeschlechter die Kontrolle über das Kloster. Edo Boing von Gödens und seine Ehefrau wurden 1480 im Kirchenschiff beigesetzt. Anfang des 16. Jahrhunderts lebten elf Chorschwestern, sieben
Laienschwestern in Oestringfelde und zwei im Vorwerk Barkel. 1540, kurz bevor die Pest im Jeverland wütete, bedachte Boing von Oldersum das Kloster in seinem Testament.
Im Laufe der Reformation sei das Kloster 1577 säkularisiert, dies jedoch von Maria von Jever nie konsequent umgesetzt worden. Nachdem 1596 die letzte Schwester, Hille, verstorben war, machte man sich ab 1609 an den Abbruch der Anlage, die 1680 vom herrschaftlichen Jäger gepachtet wurde. Steine gingen nach Wangerooge und Bauholz nach Jever. Nachweislich haderten die Jeverländer mit Plänen des Fürsten von Anhalt-Zerbst im 18. Jahrhundert, auch
dem 13 mal 13 Meter in der Grundfläche und noch 46 Meter Höhe messenden Turm zu Leibe zu rücken. Die Mauerstärke, der angeblich zu feste Mörtel, der Nutzen als Seezeichen und die Tatsache, dass der „altershalben brachfällige“ Turm nie zerstört wurde, sollten begründen, von seiner Beseitigung abzusehen. Doch dies alles wurde in Zerbst als „lächerliche Geschichte“ abgetan. Die 50 000 abgetragenen Ziegel gingen unter anderem in die Kasernen in Jever, Granitquader in die Gräben von Kniphausen und auf die Unterburg Jever. Nach
deren Abbruch wurden sie zunächst überdeckt, bei Restaurierungen aber freigelegt und als Pflastersteine ein drittes Mal verwandt. Einige Quader des alten Wahrzeichens Kloster Oestringfelde bilden seit Ende des 19. Jahrhunderts den Jeverschen Löwen auf dem Schlossplatz als neues Wahrzeichen des Jeverlandes
Die folgenden Bilder wurden von Jürgen Niemann zur Verfügung gestellt.








