Güstkinnelbeer 19.09.2026

Die Traditionsveranstaltung „Güstkinnelbeer“ findet überwiegend in Plattdeutsch statt. Besonders begrüßt wurden der scheidende
Bürgermeister Böhling und Frau, der Plattdeutschbeauftragte Bernd
Grünefeld der Oldenburgischen Landschaft und der Plattdeutschbe-
auftragte des Landkreises Friesland Hermann Wilken.

Der Name Güstkinnelbeer wurde 1931 nach der Wiederaufstellung
des Wolfsgalgens am Klosterweg notgedrungen erfunden, weil man
dieses Ereignis mit Branntwein und Rosinen, dem Kinnelbeer feiern
wollte. Da dieses Getränk üblicherweise nach der Geburt eines Kindes ausgeschänkt wird, besann man sich mangels Kind auf die Güste, trocken stehende Kuh, und nannte es Güstkinnelbeer. Das Interesse an dem hochprozentigen Getränk wurde immer weniger und deshalb bieten wir jetzt ein friesisches Essen an, das sonst nicht in Gaststätten angeboten wird, diesmal Schnippelbohnen mit Kartoffeln, Würstchen und Speck.

Bild: Jürgen Niemann

Annegret Wieben und Uwe Salz wurden für 25 Jahre Mitgliedschaft
im Heimatverein geehrt. Leider konnten beide nicht anwesend sein,
die Dankesurkunde wird zu Hause überreicht.

Bürgermeister Böhling ist in seiner Kindheit nur Plattdeutsch
sprechend aufgewachsen und musste dann aber auch Hochdeutsch
lernen. Er blickte auf 22 Jahre als Bürgermeister zurück und hatte an
seiner Bürotür ein Hinweisschild, dass man mit ihm auch Plattdeutsch
sprechen könne. Verhandlungen mit Bauern über Landverkäufe seien
meist in Platt gewesen. Aus Altersgründen durfte er nicht noch
einmal zur Wiederwahl antreten.

Bernd Grünefeld berichtete von den Bemühungen der
Oldenburgischen Landschaft zum Erhalt der Regionalsprache. So wird
für Kindergärten ein Leitfaden zum Erlernen des Plattdeutschen
verteilt und es besteht die Möglichkeit über kostenlose Apps wie
Platt mit Beo, die offizielle App für den norddeutschen Raum und mit
PlattinO, die App für das ostfriesische Plattdeutsch, diese Sprache zu
erlernen oder aufzufrischen.

Hermann Wilken machte auf den großen Unterschied zwischen
Friesland und Ostfriesland aufmerksam. In Ostfriesland hat jede
Kommune einen Plattdeutschbeauftragten und in Friesland ist nur er
für den Nordkreis und eine Kollegin für den Südkreis zuständig und
sie sind für den Bereich der Oldenburgischen Landschaft die Einzigen.
Wenn er die Schulen und Kindergärten um Beiträge für die
Plattdeutsche Woche bittet, bekommt er keine Zusage, weil man
genügend zu tun hat, den Kindern das Hochdeutsche beizubringen.

Rudi Rabe, der nach dem Tode von Jörg Beyer und Christa Arntz noch
lebende Gründer der Plattsnacker berichtete von den vielen Aufrufen
deren Internetseite. Er trug aus alten von ihm verfassten Aufsätzen
vor und die Zuhörer waren erstaunt, wie sehr sich doch vieles geändert hat.

Der aus Heidmühle gebürtige Liedermacher Helmut Hoffmann hat
dem Heimatverein seine zwei CD mit selbstkomponierten plattdeutschen Liedern geschenkt, von denen „Mien Schörtens“ und „Mien Freesenland“ vorgespielt wurden.

Tagesfahrt entlang der Deichlinie im Butjadinger Land

18. Juni – Bei herrlichstem Wetter begrüßte uns unser Reiseleiter Hans-Heinrich Schrievers in unserem restlich ausgebuchten Bus. Auf dem Weg zum ersten Halt in Sehestedt erzählte er von den großen Auswirkungen des zwischen 1596 und 1615 entstandenen rund 4 km langen Ellenser Dammes. Nach dem Tode von Maria von Jever fiel die Herrschaft Jever an die Grafschaft Oldenburg. Das Schwarze Brack trennte beide Landesteile, die nur unter Wegezollabgabe über ostfriesisches Gebiet erreichbar waren. Graf Johann VII von Oldenburg plante gegen den Willen der ostfriesischen Sielorte die sehr aufwändige Eindeichung der gesamten Bucht. 1600 ha Land wurden zurückgewonnen und nach weiteren Landgewinnungsmaßnahmen wurde aus dem Schwarzen Brack wieder Festland.
Der erste Halt war das Schwimmende Moor von Sehestedt, das einzige Außendeichsmoor der Welt. Das Moor war ursprünglich im Binnenland, aber wegen fehlender Deiche konnte der Jadebusen nach und nach bis zum Moor vordringen und bei Sturmfluten wurde das Moor vom Wasser angehoben, wobei große Moorflächen verlorengingen. Wegen des Hochwasserrisikos für das angrenzende Marschenland wurde am Moorende ein Deich gebaut, der aber keine große Festigkeit hatte und mit bis zu 25m tiefen Spundwänden verstärkt werden musste.

Es wird immer schwieriger, deichbaufähigen Klei zu finden, denn er muss 30% Tonanteile haben. Da der Maulwurf als großer Schädling sich bis zu 1,5m in den Deich eingräbt, ist außendeichs eine Kleischicht von 2m und innendeichs eine von 1,5m, damit er nicht bis zum inneren Sandkern des Deiches gelangt. Der Deichband hat eine Ausnahmegenehmigung ganzjährig Deichschädlinge wie Maulwurf, Nutria oder Fuchs zu bekämpfen.
In Butjadingen sind schon die Entwässerungsgräben mit Staustufen ausgerüstet worden, damit für Trockenzeiten Wasser für die Landwirtschaft in den Gräben zur Verfügung steht.
Die nächste Station war das Preußeneck. Für den geplanten Bau eines
Kriegshafens hat Preußen 1853 Ländereien gekauft, einmal das Gebiet des heutigen Wilhelmshavens und auch gegenüberliegend in Butjadingen, das heute Preußeneck heißt. Für den sicheren Schiffsverkehr zu den Wilhelmshavener Häfen wurde 1962 das Oberfeuer Preußeneck errichtet.

2012 wurde das Oberfeuer abgeschaltet, von einer Bürgerinitiative übernommen und für Besucher im Rahmen von Führungen begehbar gemacht.

Ein Denkmal erinnert an den legendären Verbandsvorsteher Kapitän Anton Hullmann, eine imposante Erscheinung von fast 4 Zentner. Er hat sich schon 1955 für vorausschauenden Küstenschutz um Gelder bemüht und so eine Katastrophe bei der Sturmflut Februar 1962 verhindert.
Nach einem ausgiebigen Mittagsbüfett in Butjadingen ging es dann zum
Langwarder Groden, der eine Ausgleichsfläche für den JadeWeserPort ist. 2014 wurde der Sommerdeich aus den 30er Jahren auf 900m geöffnet und 140 ha Weidefläche wurde wieder den Gezeiten durch tägliche zweimalige Überflutung ausgesetzt. Es ist ein durch einen Bohlenweg begehbares beliebtes
Naturbeobachtungsgebiet entstanden.
Als Kunst am Deich wurde eine durch den Verkauf von signierten Pflastersteinen bezahlte Skulptur „Der Turmbau zu Babylon“ errichtet.
Eine Rast bei Kaffee, Tee und Kuchen im “Hof Iggewarden“ beendete eine schöne Fahrt.

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