Besuch ließ Erinnerungen wach werden


Senioren Gruppe vom Pflege Butler Schortens besuchte das Heimathaus Schortens
Heidmühle- /Erstmals war jetzt eine Gruppe vom Pflege Butler in Schortens zu Gast im Heimathaus des Heimatvereins Schortens von 1929 e.V. Die Idee dazu hatte Betreuungskraft Daniela Schölzel, seit Mitte Dezember 2021 in dem Seniorenheim tätig. „Aus Versicherungsgründen darf ich leider den Bulli des Seniorenheims nicht fahren“, sagte sie. So gab es einen Sonntagsspaziergang und erklärende Worte des Vorsitzenden des Heimatvereins, Johannes Peters. Die Gäste erkannten einige Exponate der „Bauernstube“, so etwa die
Schnippelbohnenmaschine. Sie fanden sich auf Fotos im Kalender des Heimatvereins mit historischen Aufnahmen, von dem der Vorsitzende den Gästen ein Exemplar überreichte.

Die Gäste erzählten aus ihren Erinnerungen, angeregt durch die Exponate der Ostdeutschen Kultur- und Heimatstiftung im Heimathaus. Eine 89-jährige Besucherin war nach Beschlagnahme des Familienbesitzes aus dem Eulen-gebirge nach Schortens vertrieben worden, mit Mutter, Großeltern mütterlich-erseits und der kleinen Schwester, einem „Andenken“ des letzten Fronturlaubs des gefallenen Vaters. Eine andere Teilnehmerin erinnerte sich an die Schöfel, die ein sowjetischer Kriegsgefangener ihr in Sande herstellte. Als ihr Vater später in Sibirien in Gefangenschaft kam, sei dieser ehemalige Kriegsgefangene
dort Aufseher gewesen. Ihre Platznachbarin berichtete vom Kriegsgefangenen-lager Sande und den Kartoffeln aus dem Offiziersheim, die den Gefangenen gebracht wurden, obwohl bei Wiederholung mit Erschießen gedroht wurde. Einige der Gäste erinnerten sich an Sirenen, Nächte, in denen sie angekleidet ins Bett und später in den Bunker gingen, Brandbomben und das Aufräumen nach dem Angriff. „Wir haben in Sande einiges abgekriegt, was wohl für
Wilhelmshaven bestimmt war, sagte eine Seniorin. Einige Gäste äußerten Furcht vor einem dritten Weltkrieg. Aber auch schöne Erinnerungen gab es, etwa an Gastwirtschaften und Geschäfte.

Johannes Peters, selbst Autor im Historien-Kalender, sprach über sein Vorhaben, diesen in Regie des Heimatvereins fortzuführen.

Gemeindebürger Ostiem übergeben Vereinsfahne

Geschichte Verein der Gemeindebürger Ostiem übergibt seine Vereinsfahne
Schortens- /Seit dem ersten Weltkrieg, genauer seit seiner Gründung am 17. Dezember 1916, wirkte der Verein der Gemeindebürger Ostiem zum Wohle der Gemeinde und heutigen Stadt Schortens. Damals trafen sich 26 Männer in Grahlmanns Wirtshaus, wie in der Vereinschronik steht. Doch damit ist nun Schluss, sagt Vorsitzender Richard Janßen bedauernd. „Am 9.März 2020 fand die letzte Mitgliederversammlung mit 27 Teilnehmern von gut 180 Mitgliedern im Bürgerhaus Schortens statt. Die Coronapandemie brachte das
Vereinsgeschehen seither komplett zum Erliegen“, fährt er fort. In der
Jahreshauptversammlung hätten Vorstandswahlen angestanden. In den letzten Jahren sei die Vorstandsarbeit, also Vorsitz, Schriftführer ohne Vertretung und Mitgliederverwaltung, allein bei ihm verblieben, begründet Richard Janßen den Entschluss, nicht erneut zu kandidieren. Zudem plagen den Vorsitzenden, seit 2015 im Amt, ebenso wie Gerold Rickerts, Kassenwart seit 1978, gesundheitliche Probleme. Aufrufe an die Mitglieder zur Beteiligung an
Vorstandsarbeit blieben seit Ende 2019 fruchtlos. So schlug der erweiterte Vorstand mit den sechs Mitgliederbetreuern die Auflösung vor und forderte die zuletzt 151 Mitglieder schriftlich auf, darüber abzustimmen. 141 Mitglieder stimmten der Auflösung zu. „Das war ein eindeutiges Votum. Mit der abschließenden Kassenprüfung wurde das letzte Bankguthaben festgestellt und danach an die Mitglieder ausgekehrt“, so Richard Janßen.

Die kunstvoll gestickte Vereinsfahne samt Stocknadeln und Fahnenbändern, Königskette und -orden vom Schützenfest beim Ostiemer Hof sowie zwei siegelähnliche Stempel überreichte er an Johannes Peters, Vorsitzender des Heimatvereins Schortens von 1929 e.V. Die Fahne befand sich viele Jahre beim langjährigen Vorsitzenden der Gemeindebürger Ostiem, Uwe Schneider, der sich, so Richard Janßen, um den Verein unheimlich verdient machte. Sie sei zu
schade, um in der Versenkung zu verschwinden, bekräftigte Johannes Peters, sollte aber wenig Sonnenlicht abbekommen. Beim Chronikkreis gebe es einen Fahnenschrank, Fahnen befinden sich ebenfalls im Stadtarchiv, darunter jene des gemischten Chores Schortens. Protokollbücher und Unterlagen der Gemeindebürger Ostiem seien bereits im Stadtarchiv, sagte Richard Janßen. Wer sich weiterhin einbringen möchte, könne dies im Heimatverein oder im
Bürgerverein Schortens tun, empfahl er.

Heimatverein sieht Naturdenkmal in Gefahr

Geschichte Der Vorstand des Heimatvereins Schortens von 1929 e.V. sorgt sich um das Heiligtum

Oestringfelde– /“Nördlich des tiefen, ringförmigen Grabens, der die alte Klosterstätte umschließt, befindet sich ein Flurstück, das den Namen Nonnenfriedhof trägt, daran anschließend ein Flurstück, dessen alter Flurnamen Heiligtum lautet. Auf dem Heiligtum stand bis vor 25 Jahren eine uralte Eiche, im Umkreis darum waren zwölf alte Linden gepflanzt“, schrieb Dr. König, praktischer Arzt aus Heidmühle, am 15. November 1934 im Jeverschen Wochenblatt. „Leider ist dieses schöne Naturdenkmal vor 25 Jahren der Axt zum Opfer gefallen. Die Bäume wurden abgeschlagen, und die Stämme versteigert, wobei die alte Eiche für neun Reichsmark verkauft wurde. Das Holz war aber für Tischlerzwecke wertlos, weil die Eiche sich im Laufe ihres Wachstums mehrere Male um ihre Achse gedreht hat“, fuhr er fort. Das Alter der Eiche wurde auf 500 bis 600 Jahre geschätzt. Veränderte Eigentumsverhältnisse im Gut Kloster sollen zur Rodung geführt haben. Nachweise, das Heiligtum sei altheidnische Thingstätte des Gaues Asterga oder mittelalterlicher Versammlungsort gewesen, fehlten laut Dr. König. „Angeregt durch ihre Vorsitzenden, Herrn Bock, haben die Freunde des Altertums der
Gemeinde Schortens beschlossen, das Heiligtum wieder an der selben Stelle wie früher zu bepflanzen (…) Gleichzeitig soll es eine für die neue Gemeinde Oestringen charakteristische Stätte sein, ein Mittelpunkt für die Volksgemeinschaft der Oestringer Gemeindebürger“.

Über die „Feierliche Neueinweihung eines alten germanischen Heiligtums“ schrieb der „Wilhelmshavener Kurier“ am 19. November 1934: „Der Liberalismus mit seiner Profitgier war über sie gekommen, ihr fiel die heilige Stätte zum Opfer“. Jedoch hätten sich „die Freunde des Altertumsder Gemeinde Schortens der großen Aufgabe gewidmet, die alten historischen Stätten wieder zu Ehren zu bringen und die Erinnerung an die Vergangenheit wachzuhalten“. Der Vorsitzende, Eisenbahninspektor a.D. Karl Bock, habe im Gemeindevorsteher von Oestringen, Ortsgruppenleiter Parteigenosse Koch, einen Förderer für die Wiederherstellung des Heiligtums gefunden. „Zum neuerstandenen Heiligtum marschierten die Verbände mit klingendem Spiel und frohen Marschliedern“ und „unter großer Beteiligung aus dem ganzen Jeverland“. Im Zeitungsartikel, im markigen Tonfall der Zeit, wurde auf die Bedeutung dieses Platzes hingewiesen: „Hier an dieser Stelle wurden noch, wie uns die Alten berichten, um die Mitte des vorigen Jahrhunderts Lehrlinge, Meister und Gesellen in feierlicher Handlung zünftig gesprochen. Bis hierher wurde den auswandernden Gesellen, die auf die Walze gingen, von Jever aus das Geleit gegeben“. Mit drei Schaufeln Erde und Weihesprüchen durch den Vertreter des Amtes Friesland Regierungsassessor Dr. Böckmann, den Kreisleiter des Kreises Friesland der NSDAP, Parteigenosse Hans Flügel, der auch eine Rede hielt, den Leiter des Rüstringer Heimatbundes, Zeichenlehrer Baumann, und Karl Bock „wurde das Heiligtum in die Obhut der Gemeinde Oestringen“ gegeben. Mit kurzen, treffenden Worten bat Karl Bock darum, „dieser Stätte den Denkmalschutz angedeihen zu lassen“. Propagandistisch genutzt, marschierten auf: die von Sturmbannführer Onnen geführten Stürme des SA-Sturmbanns I/33, der NSDFB (Stahlhelm) unter der Führung des Kameraden Martsfeld-Addernhausen sowie die Kriegervereine, die Hitlerjugend, BDM und die Mädeltruppe von Schortens. Im Halbkreis um die Eiche nahmen sie Aufstellung. Unter Leitung von Hauptlehrer Schulz-Oestringfelde sangen Schulkinder aus Jungfernbusch, Oestringfelde und Roffhausen. Im Dezember 1934 feierte die Hitlerjugend aus Oestringfelde, Schortens und Jever am Heiligtum Sonnenwende.

Bereits 1934 hieß es: „Der Sportplatz schließt sich unmittelbar an diese Stätte an, so dass ein ausreichender Platz für große Aufmärsche vorhanden ist“. Diese Nähe zum heutigen Stadion am Klosterpark des Heidmühler Fußball Clubs (HFC) sieht der Vorsitzende des Heimatvereins Schortens von 1929 e.V., Johannes Peters, als Gefahr für das Heiligtum, das bis 1909 östlich des Klosterwegs lag, wie eine Karte im Heimathaus belegt. „Wenn der HFC sein Sanitärgebäude, wie berichtet, erweitert, gibt es gewaltige Begehrlichkeiten, alles abzuholzen“, fürchtet Johannes Peters. Der Eingang zum Heiligtum liegt eher versteckt am Parkplatz. Nach Baumpflegemaßnahmen im Frühjahr
wirkt die Anlage gepflegt. Allerdings setzen BMX-Sportler dem umlaufenden Wall zu. An den Eingang hätte Johannes Peters gern wieder eine Hinweistafel auf das 1984 ausgewiesene Naturdenkmal, wie es sie vor Jahren gab. Er ist in Kontakt mit der Stadt und verweist auf das Gutachten zur Ausarbeitung eines Lösungsvorschlages zur Wiederherstellung und Erhaltung des Naturdenkmals Heiligtum im Klosterpark von 2011. Schon damals fehlte eine Linde, ein „akuter
Pflegerückstand“ wurde festgestellt.