Teile des Klosters leben bis heute fort

(von Henning Karasch)
Vortrag Heimatverein Schortens von 1929 e.V. hatte Prof. Dr. Antje Sander zu Gast

Schortens- /Eines der Hauptanliegen des Heimatvereins Schortens von 1929 e.V. ist die Erhaltung von Klosterpark und Turmruine Oestringfelde. Zudem geht das jährliche Güstkinnelbeer der Vereinsmitglieder auf das Jubiläum der Tötung des, zumindest vorerst, letzten Wolfes im Bereich der früheren Klosterstätte zurück. Da lag es nahe, Prof. Dr. Antje Sander vom Schlossmuseum Jever zu einem Referat über das Kloster Oestringfelde
einzuladen.

Dieser Ort, an dem angeblich die Oestringer von Willehad getauft wurden, sei seit jeher „Kraftquelle“ gewesen, so die Referentin. Aus der nicht erhaltenen Oestringer Chronik habe Remmer von Seediek im 16. Jahrhundert übertragen, dass die Klostergründung vor einer Schlacht gegen Rüstringer, Harlinger, Auricher und Brookmerländer 1175 von den Oestringern gelobt worden sein soll. Im Kloster sei eine Gemeinschaft von Weltgeistlichen begründet worden, die auch wirtschaftlich bedeutsam für das Jeverland war. „Über die ersten
150 Jahre gibt es, wie von Klöstern auf der ganzen ostfriesischen Halbinsel, keine schriftliche Überlieferung“, bedauerte Prof. Dr. Sander. Sie sei jedoch auf der Spur, und im Ruhestand werde sie Quellen zusammentragen, die sich auf Pergamentblättern finden lassen, in die zu Zeiten Marias von Jever etwa Rechnungsbücher eingeschlagen wurden. Denn die Schriften aus der Klosterzeit wurden nach der Reformation nicht mehr gebraucht und daher das Pergament wiederverwendet.

Der Turm, dessen Ruine vom Landschaftspark Hofrat Heinrich Georg Ehrentrauts umgeben ist, soll 1223 ans Kirchenschiff angebaut worden sein. Nach einem Brand 1272 sei das Kloster nur noch teilweise bewohnbar gewesen. 1350 kamen Dominikanerinnen aus Norden ins Kloster Oestringfelde. Im 15. Jahrhundert übernahmen Häuptlingsgeschlechter die Kontrolle über das Kloster. Edo Boing von Gödens und seine Ehefrau wurden 1480 im Kirchenschiff beigesetzt. Anfang des 16. Jahrhunderts lebten elf Chorschwestern, sieben
Laienschwestern in Oestringfelde und zwei im Vorwerk Barkel. 1540, kurz bevor die Pest im Jeverland wütete, bedachte Boing von Oldersum das Kloster in seinem Testament.

Im Laufe der Reformation sei das Kloster 1577 säkularisiert, dies jedoch von Maria von Jever nie konsequent umgesetzt worden. Nachdem 1596 die letzte Schwester, Hille, verstorben war, machte man sich ab 1609 an den Abbruch der Anlage, die 1680 vom herrschaftlichen Jäger gepachtet wurde. Steine gingen nach Wangerooge und Bauholz nach Jever. Nachweislich haderten die Jeverländer mit Plänen des Fürsten von Anhalt-Zerbst im 18. Jahrhundert, auch
dem 13 mal 13 Meter in der Grundfläche und noch 46 Meter Höhe messenden Turm zu Leibe zu rücken. Die Mauerstärke, der angeblich zu feste Mörtel, der Nutzen als Seezeichen und die Tatsache, dass der „altershalben brachfällige“ Turm nie zerstört wurde, sollten begründen, von seiner Beseitigung abzusehen. Doch dies alles wurde in Zerbst als „lächerliche Geschichte“ abgetan. Die 50 000 abgetragenen Ziegel gingen unter anderem in die Kasernen in Jever, Granitquader in die Gräben von Kniphausen und auf die Unterburg Jever. Nach
deren Abbruch wurden sie zunächst überdeckt, bei Restaurierungen aber freigelegt und als Pflastersteine ein drittes Mal verwandt. Einige Quader des alten Wahrzeichens Kloster Oestringfelde bilden seit Ende des 19. Jahrhunderts den Jeverschen Löwen auf dem Schlossplatz als neues Wahrzeichen des Jeverlandes

Die folgenden Bilder wurden von Jürgen Niemann zur Verfügung gestellt.

Kurzer Abriss der Geschichte einer Grafschaft

Vortrag Hans-Jürgen Heise erzählte vor dem Heimatverein Schortens von Kniphausen

Schortens- /Nachdem Hans-Jürgen Heise 2024 Mitgliedern des Heimatvereins Schortens von 1929 e.V. die Fedderwarder St. Stephanuskirche sehr anschaulich erklärte, lud ihn Vorsitzender Johannes Peters ein, über die Herrlichkeit Kniphausen zu berichten. Diese Einladung nahm der ehemalige Marineoffizier, der Kniphausen wie kein anderer kennt, gern an. „Meine Füße sind durch die Fedderwarder Wurt gewachsen. Der Ort ist so alt wie Trier, nur statt von den Römern von den Friesen gegründet“, sagte er über das Kirchspiel, das mit
Sengwarden und Accum die Herrlichkeit Kniphausen mit rund 2500 Bewohnern auf etwa 40 Quadratkilometern Fläche bildete.

Kniepsand sei ein Sand, der festhalte, und Kniepens sei als Flurname bei Mennhausen erhalten. Magister und Kirchherr Ulrich (1350 bis 1418) stand in der Liste der 50 friesischen Häuptlinge und vertrat die Herrlichkeit am Upstalsboom. Seine Burg lag im heutigen Mönkeburger Busch, östlich der Burg Kniphausen. Ulrichs Sohn Lubbe Onneken sei nach Schleifung der Siebethsburg nach Kniepens umgesiedelt und habe gut von Seeräuberei und Schmuggel gelebt. Zwischen 1435 und 1854 gab es sechs Häuptlinge und sieben Grafen von
Inn- und Kniphausen, wie die 1495 zusammengeführte Herrschaft hieß.

Kniphausens Fundament sei die genossenschaftliche Selbstverwaltung der drei Kirchspiele. Hofdienste waren bereits 1569 aufgelöst worden. Der illegitime Sohn Anton Günthers von Oldenburg, Anton I. von Aldenburg, übernahm 1623 die Herrschaft. Im 18. Jahrhundert war die Grafschaft verarmt, die niederländischen Grafen Bentinck brachten Geld ins Land. Nachdem das Schloss 1708 abbrannte, lebte man im Obergeschoss des Marstalls, die
Regierung saß im Jägerhaus. 1748 wurde in Kniphausen die vierte Apotheke in der Region gegründet, nach Oldenburg, Jever und Varel. Wilhelm Antoni war bis 1861 Apotheker in Fedderwarden, danach der erste Apotheker des entstehenden Marineetablissements an der Jade.

Die Grafen Bentinck, die auch in Varel ansässig waren, führten den Häuptlingsstaat in die Moderne, mit Staatsvolk, Staatsgebiet und Staatsgewalt. In ungeraden Jahren wurden sieben, in geraden Jahren fünf Rekruten nach Oldenburg gesandt. Kniphausen hatte 1848 einen Abgeordneten in der Paulskirchenversammlung und sollte mit Oldenburg für 30 000 Gulden
eine Flotte aufbauen. Im Jadevertrag von 1853 verzichteten die Bentincks gegen 500.000 Reichstaler auf ihre Rechte an Kniphausen. „Die Geburtsurkunde Wilhelmshavens war die Sterbeurkunde Kniphausens“, befand der Historiker. Bis 1858 gab es noch ein Amtsgericht Kniphausen, das dann dem Amt Jever zugeschlagen wurde.

Die fürstliche Familie zu Inn- und Knyphausen lebt heute in Lütetsburg bei Norden. In Eltville im Rheingau gibt es übrigens das Weingut Baron Knyphausen, dessen Riesling Hans-Jürgen Heise sehr empfahl.

Bilder erweitern die Sammlung

Kunst Gemälde von Mine Scherf als Dauerleihgabe im Heimathaus Heidmühle

Schortens- /Der Heimatverein Schortens von 1929 e.V. erhielt Bilder der Schortenser Malerin und Autorin Mine Scherf als Dauerleihgabe von deren Enkelin Sontka Josupeit-Raeke, den Urenkelinnen Monja und Naaja sowie Ingo Scherf, Sohn der Künstlerin. Mine Scherf, geborene Janßen, kam 1919 in Blomberg/Ostfriesland zur Welt, zog mit ihrer Familie 1937 nach Heidmühle und starb 1993. In Historien-Kalendern, Zeitungsartikeln und vier Büchern hielt sie unter anderem Erinnerungen an ihre von harter Arbeit geprägte Kindheit auf Plattdeutsch fest. In ihren Bildern geht es auch um die Lebensumstände, sie zeigen aber zudem die schönen Seiten von Mine Scherfs Heimat, wie die stattlichen Mühlen. Der Heimatverein, dem Mine Scherf unter anderem das Gedicht „Güstkinnelbeer“ widmete, erhielt und katalogisierte bereits zuvor Bilder der Künstlerin, die wohl im Bürgerhaus hingen.
Mine Scherfs Tochter Annetraud Josupeit verstarb vor zwei Jahren. „Die Bilder sind zu schade, um sie auf den Dachboden zu stellen“, fand ihre Tochter Sontka Josupeit-Raeke. „Unsere Mutter konnte ihr Talent erst mit über 50 Jahren ausleben, als wir aus dem Haus waren. Anregungen holte sie sich von Fotos und Postkarten“, sagte Ingo Scherf. Der Heimatverein versprach, die Familie habe weiterhin Zugriff auf die Werke. „Wir planen eine Mine-Scherf-Wand. Wir haben Geschichten von ihr, in denen es auch um ihre Enkel geht“, fügte Heimatvereinsvorsitzender Johannes Peters an. Und Ingo Scherf stellte fest, das
künstlerische Talent hätten seine Schwester Herta Watts, die in Australien lebt, und seine Tochter Anke Frech geerbt.