Alter Brauch litt unter neuen Auflagen

Tradition Im Glockenturm der St.Stephanus-Kirche Schortens wurde gebeiert

Schortens- Der alten Tradition folgend, wurde im Glockenturm der St.-Stephanus-Kirche in Schortens auch diesmal zu Silvester gebeiert. Bürgermeisterin Anne Bödecker sowie die Nachbarn Ingrid und Rolf Rocker überbrachten der Gruppe der Beierer um Johannes Peters „Klockenschmeer“ in hochprozentiger Form. Denn in alter Zeit zogen junge Schortenser, die
beierten, von Haus zu Haus, um sich mit Getränken versorgen zu lassen. Pastor Jan-Christian Buchwitz gab dem heidnischen Brauch des Vertreibens böser Geister durch das rhythmische Anschlagen der Glocken mit den schweren Glockenklöppeln seinen Segen. Johannes Peters und sein Sohn Hilko übernahmen den 95 Kilogramm schweren Klöppel der 1949 gegossenen
Südglocke. Rolf Busker, Hermann Reck und Manfred Onken schlugen die zehn Jahre jüngere Nord- und Horst Janßen die Westglocke an, die wohl aus dem 19. Jahrhundert stammt. Im achtminütigen Wechsel mit dem Automatikgeläut wurde das Anschlagen wiederholt. Johannes Peters liegt als Nachbar der Kirche und Vorsitzendem des Heimatvereins Schortens von 1929 e.V. die Brauchtumspflege besonders am Herzen. Hilko Peters beiert bereits in
sechster Generation. Die „Klockenschmeer“ wird normalerweise zu Jahresbeginn mit den Partnerinnen der Beierer genossen. Stattdessen könne man per Videokonferenz Glühwein trinken, scherzte Johannes Peters.

In der rund acht mal acht Meter großen Glockenstube wird es eng, wenn die Glocken automatisch schwingen und die Männer beiseitetreten müssen. Daher durften diesmal keine Gäste mit nach oben. Auch Heiligabend war ohne Gäste gebeiert worden. Dennoch fragten einige Passanten nach dem alten Brauch und blieben in gebührendem Abstand unterhalb der Kirche stehen. Anne Bödecker wies einmal mehr auf die frühe Gründung von Schortens hin, was sich an den kürzlich entdeckten Siedlungsspuren zeige.

Bild: Henning Karrasch

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