„Wolfsfreie Zone“ seit dem Jahr 1738

Heimatverein Schortens feiert im Bürgerhaus sein traditionelles Güstkinnelbeerfest

Rund 50 Mitglieder und Freunde feierten das Fest. Im Mittelpunkt steht Branntwein mit Rosinen.

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Auf der Bühne des Schortenser Bürgerhauses wurde ein Wolf aufgehängt – zum Glück nur eine Attrappe. Darunter feierten etwa 50 Mitglieder und Freunde unseres Heimatvereins mit dem Güstkinnelbeer, dass Oestringen seit 1738 ‘wolfsfreie Zone’ ist. Umrahmt wurde das traditionelle Beisammensein von Seemannsliedern des Chorus Stella Polaris, und auch das Plattdeutsche kam nicht zu kurz, abschließend erzählte Rudi Rabe noch drei Anekdoten ‘ut sien Pen’.

Georg Schwitters überbrachte Grüße unseres kommissarischen Leiters Michael Kunz, der leider dienstlich verhindert war. Er erinnerte daran, dass den Wölfen, im 17. und 18. Jahr-hundert eine wahre Landplage im Upjeverschen und Hopelser Forst, mit Treibjagden begegnet wurde. Bei Friedeburg soll 1731 ein Wolf geschossen worden sein. Als sich schließlich in der Nacht vom 20. auf den 21. November 1738 der letzte Isegrim erdreistete, sich dem Schafstall der Hofjägerfamilie Richter auf dem Klostergut Oestringfelde zu nähern, schoss ihn der Jägerssohn, Hermann Anton Richter, kurzerhand ab und hängte den Kadaver an einen Eichenpfahl, wo ihn Schaulustige aus dem ganzen Jeverland bestaunten. Die Holzpfähle wurden bis 1909 immer wieder ersetzt, bis der Wolfsgalgen in Vergessenheit geriet.

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Aber schon auf der 18. Sitzung 1931 erinnerten sich die Mitglieder unseres zwei Jahre zuvor gegründeten Heimatvereins des Brauches und stellten auf den Tag genau 193 Jahre nach dem ersten Wolfsgalgen einen neuen Pfahl auf der Heide am Klosterweg auf, wo der Weg nach Schoost abzweigt.
Schortenser Schüler mit Lehrer Fiet Claaßen sangen Jägerlieder, Pastor Engelbart berichtete vom Unwesen des grauen Tieres, und der stellvertretende Gemeindevorsteher Emil Martsfeld versprach, sich für die Pflege von Galgen, Gedenkstein und Bronzetafel, wie sie noch heute zu sehen sind, einzusetzen.
Nun wollte man die Feier im Grünen Wald an der festlichen Tafel mit Messingleuchtern aus dem jeverschen Schloss mit etwas Besonderem ausklingen lassen, und den Heimatfreunden unter dem Vorsitzenden Dr. König fiel ihr Kinnelbeer ein, Branntwein mit Rosinen, zum ‘Kinnertöörn’ angesetzt und zur Geburt des Kindes genossen. Weil aber kein Kind geboren war, hieß es eben ‘güst’, also unfruchtbares Kinnelbeer. Als Beer bezeichnete man im Übrigen früher alles Alkoholische. Das Schortenser Lehrerquartett sang dazu, Georg Janßen-Sillenstede hielt einen Vortrag über den Wildschützen Anton Richter, zu dessen Nachfahren auch Hans-Wilhelm Grahlmann zählte. Der Wolfsgalgen hat inzwischen seinen Weg ins Vereinssiegel gefunden. Sprache im Verein war damals übrigens nicht das allgegenwärtige Platt, sondern das eher exotische Hochdeutsch.
Auch in diesem Jahr schmeckte die Bohnsopp aus 38-prozentigem Branntwein wieder, schließlich war man nicht nur für Tee und Berliner gekommen. Nach der Probe durch ’Kröger’ Josi Klein und Schwitters kamen alle in den Genuss des leckeren Gebräus, serviert von Ilse und Anja vom Bürgerhaus.
Zum Kinnelbeer haben viele eigene Erinnerungen. Wurde bei Osterkamps zur Geburt von Tochter Dagmar den Kinderkrankenschwestern das leckere Getränk überreicht, so erinnerte sich Georg Schwitters noch an den Zustand seiner Kommilitonen, nachdem er zur Geburt seiner Tochter Kinnelbeer ausgegeben hatte.
Die Zuhörer schunkelten zu Liedern wie ’Du mein friesisches Land’ und ’In Johnnys Knei-pe’ begeistert mit, ’Matrosen, lasst uns trinken’ leitete perfekt zum Beer über, denn es endete mit ’Prost’, und nach dem Umtrunk ging es mit gelöster Zunge fröhlich weiter mit ’Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise’ und zu Liedern, so schön wie der Norden. Bis zum nächs-ten Auftritt versprachen die Sänger von Stella Polaris, die ‘Seewölfe’ des Abends, auch Plattdeutsches ins Repertoire aufzunehmen, wird die niederdeutsche Sprache doch im Verein seit den 60er Jahren, als der langjährige Vorsitzende Erhard Harms die Muttersprache wieder aufleben ließ, verstärkt gepflegt.
Rudi Rabe beschrieb in seiner ersten Geschichte den Menschenschlag an der Küste als ‚mul-ful‘, im täglichen Umgang würden außerdem gerne einfache Fragen gestellt, die aber nur von ‚Gnatterigen‘ unfreundlich beantwortet würden, sind sie doch „een fein Bindeglied tüschen de Menschen„. In Schortens störe es einen Maurer selten, wenn er gefragt würde: „Bist an müürn?“, obwohl Antworten „van Tied afgehn“.
Beim ‚Klassentreffen‘ berichtete der Erzähler von seinen „Schoolkameraden“, die sich nun siezen und alle „öller as ik“ scheinen. „Ik blief so as ik bin“, befand der Autor. Zum Ab-schluss des Abends entließ Rudi Rabe in seiner Geschichte ‘Malheur‘ die Heimatfreunde mit der Erkenntnis, dass „Menschen, de Malheur het, Bangbüdels sin“. Die Plattsnackers treffen sich wieder am 1. Dezember in der Waldschänke Schoost.

Autor: Henning Karrasch

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