Tagesfahrt entlang der Deichlinie im Butjadinger Land

18. Juni – Bei herrlichstem Wetter begrüßte uns unser Reiseleiter Hans-Heinrich Schrievers in unserem restlich ausgebuchten Bus. Auf dem Weg zum ersten Halt in Sehestedt erzählte er von den großen Auswirkungen des zwischen 1596 und 1615 entstandenen rund 4 km langen Ellenser Dammes. Nach dem Tode von Maria von Jever fiel die Herrschaft Jever an die Grafschaft Oldenburg. Das Schwarze Brack trennte beide Landesteile, die nur unter Wegezollabgabe über ostfriesisches Gebiet erreichbar waren. Graf Johann VII von Oldenburg plante gegen den Willen der ostfriesischen Sielorte die sehr aufwändige Eindeichung der gesamten Bucht. 1600 ha Land wurden zurückgewonnen und nach weiteren Landgewinnungsmaßnahmen wurde aus dem Schwarzen Brack wieder Festland.
Der erste Halt war das Schwimmende Moor von Sehestedt, das einzige Außendeichsmoor der Welt. Das Moor war ursprünglich im Binnenland, aber wegen fehlender Deiche konnte der Jadebusen nach und nach bis zum Moor vordringen und bei Sturmfluten wurde das Moor vom Wasser angehoben, wobei große Moorflächen verlorengingen. Wegen des Hochwasserrisikos für das angrenzende Marschenland wurde am Moorende ein Deich gebaut, der aber keine große Festigkeit hatte und mit bis zu 25m tiefen Spundwänden verstärkt werden musste.

Es wird immer schwieriger, deichbaufähigen Klei zu finden, denn er muss 30% Tonanteile haben. Da der Maulwurf als großer Schädling sich bis zu 1,5m in den Deich eingräbt, ist außendeichs eine Kleischicht von 2m und innendeichs eine von 1,5m, damit er nicht bis zum inneren Sandkern des Deiches gelangt. Der Deichband hat eine Ausnahmegenehmigung ganzjährig Deichschädlinge wie Maulwurf, Nutria oder Fuchs zu bekämpfen.
In Butjadingen sind schon die Entwässerungsgräben mit Staustufen ausgerüstet worden, damit für Trockenzeiten Wasser für die Landwirtschaft in den Gräben zur Verfügung steht.
Die nächste Station war das Preußeneck. Für den geplanten Bau eines
Kriegshafens hat Preußen 1853 Ländereien gekauft, einmal das Gebiet des heutigen Wilhelmshavens und auch gegenüberliegend in Butjadingen, das heute Preußeneck heißt. Für den sicheren Schiffsverkehr zu den Wilhelmshavener Häfen wurde 1962 das Oberfeuer Preußeneck errichtet.

2012 wurde das Oberfeuer abgeschaltet, von einer Bürgerinitiative übernommen und für Besucher im Rahmen von Führungen begehbar gemacht.

Ein Denkmal erinnert an den legendären Verbandsvorsteher Kapitän Anton Hullmann, eine imposante Erscheinung von fast 4 Zentner. Er hat sich schon 1955 für vorausschauenden Küstenschutz um Gelder bemüht und so eine Katastrophe bei der Sturmflut Februar 1962 verhindert.
Nach einem ausgiebigen Mittagsbüfett in Butjadingen ging es dann zum
Langwarder Groden, der eine Ausgleichsfläche für den JadeWeserPort ist. 2014 wurde der Sommerdeich aus den 30er Jahren auf 900m geöffnet und 140 ha Weidefläche wurde wieder den Gezeiten durch tägliche zweimalige Überflutung ausgesetzt. Es ist ein durch einen Bohlenweg begehbares beliebtes
Naturbeobachtungsgebiet entstanden.
Als Kunst am Deich wurde eine durch den Verkauf von signierten Pflastersteinen bezahlte Skulptur „Der Turmbau zu Babylon“ errichtet.
Eine Rast bei Kaffee, Tee und Kuchen im “Hof Iggewarden“ beendete eine schöne Fahrt.

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