Um Erhalt des Klosterturms wurde gekämpft

“Ihren” Turm des Klosters Oestringfelde, einst Wahrzeichen Oestringens, gaben die Bewohner des Gebiets der heutigen Stadt Schortens Ende des 18. Jahrhunderts nicht kampflos auf. Das Erfuhren die Zuhörer des Vortrages zum Kloster Oestringfelde, den Prof. Dr. Antje Sander im Bürgerhaus Schortens hielt. Mit rund 60 Gästen konnte sich der Heimatverein erneut über großes Interesse freuen.

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Oestringfelde sei eines der bedeutendsten Klöster Niedersachsens, stellte die Referentin fest. An der Stelle des Klosters, später ’St.Marien auf dem Felde’ genannt, soll der heilige Willehad 781 die Oestringer getauft haben. Am dritten Tage nach Pfingsten hätten die Gläubigen aller umliegenden Gemeinden daher eine Prozession mit ihren Reliquienschreinen dorthin unternommen. Es ist bekannt, weshalb das Kloster gebaut wurde, dass der Grundstein für den Turm 1223 gelegt wurde und 1272 ein Feuer viele Gebäude vernichtete, die später nicht wieder aufgebaut wurden.

Das sei dann beinahe auch schon alles, was man wisse, so Prof. Dr. Sander. Da man auf dem Gelände nie bauen wollte, sei auch nie systematisch gegraben worden. Da war der Sturm, der 2010 die Skelette freilegte, beinahe ein Glücksfall. An Urkunden, Annalen und Gebetsgedenken sei kaum etwas überliefert. Die Oestringer Chronik reiche nicht so weit zurück. Reste dessen, was in der Reformationszeit vernichtet wurde, finde man als Messbücher und Inventare beinhaltende Aktendeckel der Herrschaft Jever oder im Staatsarchiv Oldenburg. Hinweise wurden bereits von der Referentin gesammelt und als “schöne Beschäftigung für den Ruhestand” zurückgelegt.

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Das Kloster war zunächst als Kollegiatsstift mit nach der Benediktinerregel lebenden Weltgeistlichen besetzt. Um 1323 sollen dort noch fünf Kanoniker gelebt haben, der Gottesdienst galt als “verfallen”. Bald darauf starben auch sie an der Pest. Um 1350 übernahmen Norder Dominikanerinnen das Kloster. Als Bettelorden sollten sie “Heil ausstrahlen”. Im 15. Jahrhundert übernahmen Häuptlinge die Kontrolle über die Anlage. Doch nicht nur wurde die Kirche ihre Grablege, sie nutzten den Turm auch militärisch. Damals wurde die Entwaffnung des Turms oder sogar sein Abbruch gefordert.

Die heraufziehende Reformation schien zunächst keine Gefahr für das Kloster Oestringfelde darzustellen. Boing von Oldersum bedachte die Schwestern 1540 in seinem Testament. Damals lebten dort elf Chor- und sieben Laienschwestern. Dazu kamen zwei Schwestern im Vorwerk Barkel. Ihre Einkünfte kamen nach wie vor großenteils aus Seelenmessen. Nachdem das Kloster 1577 säkularisiert wurde, starb 1584 die letzte Priorin und mit Schwester Hille 1596 die letzte Nonne. Als 1609 das Kirchenschiff abgebrochen wurde, gingen die Steine nach Wangerooge und das Holz an die Unterburg Jever. Die Ländereien wurden verpachtet oder verkauft. Seit 1680 ist die Familie Richter auf dem Klostergut nachweisbar. Durch Anthon Richter wurde 1738 der letzte Wolf geschossen. Auf dem aus diesem Anlass gefertigten Gemälde findet sich die älteste Abbildung des Turmes. Auf anderen Bildern ist der Turm mal mit Krähennestern, mal idyllisch zwischen Bäumen gelegen dargestellt. Immer wird die Baufälligkeit des Gemäuers, aber auch seine immer noch imposante Erscheinung mit Mauern von 13 mal 15 Metern länger und einer Höhe von 46 Metern deutlich. “So viel Baumaterial auf einem Fleck weckte Begehrlichkeiten”, erklärte Prof. Dr. Sander. Fürst Friedrich August von Anhalt-Zerbst, der das Jeverland nie besuchte, wollte die Quader 1768 für die Kasernenfundamente in Jever nutzen. Die Bevölkerung verteidigte den Turm mit Zähnen und Klauen. Die historische und militärische sowie die Bedeutung als Seezeichen wurden auf alle erdenkliche Weise herauszustellen versucht. Hooksieler Seeleute wurden befragt, es wurde auf einer Seefahrt “mit guten Fernrohren” nach dem Bauwerk Ausschau gehalten. Zwar sei eine Reparatur der dicken Mauern auszuschließen, eine Sprengung mit Pulver aber auch zu gefährlich und die Quader in Wirklichkeit Sandstein und darüber festes Ziegelmauerwerk, so dass ein Abbruch nicht lohne und die Ruine zu erhalten sei, forderten die Untertanen. Das Ende des Turmes war dennoch nah. Zwischen 1770 und 1774 wurden die jeverschen Kasernen, heute Teil des Mariengymnasiums, auf den Quadern errichtet,. Weiteres Material, darunter rund 50 000 Ziegelsteine, gingen in die Prinzengraft und die Gräben der Burg Kniphausen. Ab 1839 legte Hofrat Heinrich Georg Ehrentraut den noch bestehenden Landschaftspark mit seinen typischen Freiflächen an. Eine 3,60 breite Mauer und Reste einer Treppe sollen 1888 noch zu sehen gewesen sein. Mit dieser Anlage besitzt die Stadt Schortens ein Juwel, das es erst noch zu entdecken gilt.

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