Heidmühle ist 450 Jahre alt

Es begann mit dem Umsetzen der Mühle vom Braunen Berg

Heidmühle, der zentrale Schortenser Ortsteil, besteht in diesem Jahr 450 Jahre. Darauf möchten Alfred Amman und Franz Cornelius vom Heimatverein hinweisen.

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“Wir möchten dieses Jubiläum nicht unerwähnt vorbeistreichen lassen”, erklärt Amman. Der gebürtige Heidmühler Cornelius war vor 50 Jahren Hauptorganisator der Feierlichkeiten. Neben einem Festakt bei Warntjen habe es am 19. und 20. August ein Freilichttheater gegeben, das insgesamt 2000 Besucher gezählt habe. Für das Stück “…un de Wind weiht vergewens” des Bremers Walter Arthur Kreye, das Cornelius mit der damals 25-jährigen Volksbühne Oestringen im Klosterpark aufführte, seien eigens ein kleines Dorf mit Mühle gebaut und Heideplacken in Wiesmoor gestochen worden. Als Dank habe man 1962 das Stück auch dort gezeigt, erinnert sich Cornelius.

Im Stück sei es um den Niedergang der Windmüller und ein Dorf, das die Not seines Müllers nicht hinnahm, gegangen. Die Musik besorgte das Akkordeonorchester der Volkshochschule Schortens unter der Leitung von Fritz Skalski, die Trachtentanzgruppe der Volksbühne trat auf. Eigentlich habe man ein Stück über den holländischen Seefahrer Piet Hein und seine Schwester Margareta, angeblich in der Mühle aufgewachsen, spielen wollen, die Carolinensieler Autorin Marie Ulfers verstarb aber leider darüber.

Man habe damals auch ein Mühlenmodell bauen wollen und Spenden gesammelt, das Geld dann aber lieber für die Feier verwendet. Durch Aufforstung in Upjever wurde, so Amman, vor 450 Jahren der Mühle auf dem Braunen Berg, etwa am Papentun bei Schoost, der Wind genommen, und sie sei auf eine alte, einst gegen Ostfriesland errichtete Schanze an einer Wegkreuzung in der Heide zwischen Sillenstede, Jever und Oestringfelde versetzt worden. Erster urkundlich fassbarer Müller war ein gewisser Lambert, der im herrschaftlichen Pachtregister unter dem 3. Juli 1596 auftaucht. Das Gebiet um die Bockwindmühle, der Bauern aus Cleverns, Sandel, Schortens und dem südlichen Sillenstede ihr Korn bringen mussten, blieb zunächst dünn besiedelt, trotzdem die Straße von Sande nach Jever und um 1840 der Weg ‘von der Heidmühle’ nach Groß Ostiem gepflastert wurden, 1841 zählte man zwölf Häuser.

Vier Jahre darauf sei die Mühle durch einen Erdholländer ersetzt worden, der 1913 nach Aperberg im Ammerland verkauft wurde, das Müllerhaus wurde 1908 auf Abbruch verkauft. Heimatfreunde taten die alte Mühle, bis 1948 von der Familie Vohlken betrieben, 1961 auf, die Rückholung der Überreste, wie Holzstapelwerk und ein Strebebalken mit der Inschrift ‘Ostiem’, scheiterten leider an den Kosten. Ein Mühlstein wurde mitgebracht und erinnert an der Alten Ladestraße an die Mühle.

Durch den Bahnhof von 1871 mit zeitweise bis zu sechs Gütergleisen, an dessen Wasserturm die Lokomotiven Wasser bunkerten, das Postamt von 1874, zahlreiche, teils heute noch bestehende Betriebe, Sandabfuhren für den Bau Wilhelmshavens, Wasserwerk 1878, Wilhelmshavener Actienbrauerei und den zweiklassigen Volksschulbau 1910 nahm Heidmühle großen Aufschwung. Landwirt Heinrich Asche, Feldhausen, wurde am 18. April 1906 Bezirksvorsteher der neuen Bauerschaft Heidmühle.

Nach Gründung der Großkommune Oestringen 1936 sei das Rathaus aus einer Baracke am Diekenweg in die Oldenburger Straße verlegt worden, bekräftigt Amman die Bedeutung Heidmühles, mit rund 8 000 Einwohnern heute der größte Schortenser Ortsteil. In der Nachkriegszeit kamen das Naturfreibad und das heutige AquaToll, 1963 die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, 1964 als Dorfgemeinschaftshaus das jetzige Bürgerhaus mit Stadtbücherei und 1983 das Martin-Luther-Haus hinzu. Erinnerungen an Heidmühle wurden von Fritz Irps in seinem Gedicht ‘De Heidemöhln’ und im 150 Seiten starken Buch ‘Das höchste der Gefühle – ist ein Mädchen aus Heidmühle’, entstanden auf Initiative des Heimatvereins Schortens, festgehalten.

An der Bundesstraße stellt ein Mühlenmodell seit 1988 den Bezug zum Ortsnamen her, ein Straßenname zwischen Postweg und Menkestraße erinnert an die Müllerfamilie Thaden. Heideflächen sucht man hier derzeit leider vergebens. Sie wurden durch das Plaggenstechen, um bessere Ackerböden zu gewinnen, und den Sandabbau vernichtet.

 

Pressemeldungen vor 50 Jahren:

400 J Heidm

400 J Heidm I

gedicht Heidmühle

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