Der Osterhase

Der Hase ist das Tier der Liebesgöttin Aphrodite, sowie der germanischen Erdgöttin Holda. Der Hase ist aber nicht nur Götterbote, er ist auch –wie das Ei – ein Zeichen für Leben und Fruchtbarkeit.

Hasen bekommen im Frühjahr sehr viele Junge, das heißt, sie schenken Leben. Sahen die Menschen früher die Hasenmütter mit ihren Jungen, wussten sie, dass der Winter vorüber war. Jeder kennt ihn als den Überbringer der Ostereier, nach denen Kinder zum Frohsinn der Erwachsenen so eifrig suchen. Doch nicht immer versteckte der Osterhase die Eier. Noch im vorigen Jahrhundert war der eierlegende Osterhase in einigen Teilen Deutschlands völlig unbekannt.

Der Osterhase hatte in meiner Kindheit noch eine andere Bedeutung, die in jedem Jahr von ganz besonderer Bedeutung war. Sichteten wir Kinder vor Ostern den Osterhasen, durften wir, zumindestens die Jungen,  kurze Hosen anziehen. Dabei spielte es keine Rolle, ob noch Eis und Schnee lag. Trotz heftiger Proteste der Mütter wurden kurze Hosen angezogen. Blasenerkältungen wurden missbilligend in Kauf genommen. Wir Jungen kehrten den dicken Hermann, den abgehärteten „Germanen“ heraus und wollten damit wohl auch einen guten Eindruck bei den Mädchen hervorrufen. Ja, so war es früher! Und was ist heute? Gibt es noch kurze Hosen?

Eine Generation weiter: Die Zeit der kurzen Hosen ist vorbei. Die eigenen Kinder erfreuten sich jetzt an dem Osterhasen. Der Osterspaziergang im Wald mit der ganzen Familie, mit den Schwägerinnen, Schwägern und deren Kindern  und den Omas und Opas versprach ein unvergessenes Erlebnis. Ein Opa ging ganz unauffällig voraus und ließ hier und dort ein buntes Osterei fallen. Erst mit einem zeitlichen Abstand wurden die Kinder losgelassen und mit einem großen Gejuchze die Ostereier eingesammelt und bei den Omas abgegeben. Sie kamen nicht dahinter, dass dieselben Eier immer wieder von neuem ausgelegt wurden. Die Freude war riesengroß, sie schwärmten von über 100 Ostereiern. Dabei hatten nur 20 Ostereier die Reise in den Wald angetreten. Den Kindern war die Freude anzumerken. Zu Gute kam ihnen, sie kannten noch nicht das kleine 1 x 1. Und heute? Kinder in dem Alter wandern nicht mehr in den Wald, höchstens kurz durch den Klosterpark.

Die Herkunft des Osterhasen wird frühestens im 17. Jahrhundert beschrieben. Die Ursprünge der Verbindung des Osterhasen mit Ostern – und vor allem mit der Eierherstellung – sind jedoch unklar.

Das eigentliche christliches Symbol des Osterfestes ist das Lamm. Der Osterhase könnte von einem mehr als schlecht gezeichneten Lamm bzw. einem „verbackenen“ Osterlamm herstammen. Dies erklärt zwar den Hasen, aber nicht den Grund, warum er die Eier bringt. Das Ostereiersuchen entwickelte sich im städtischen Bereich und auch die Mär, der Osterhase würde die Eier legen. Bauernkinder hätten eine solche Geschichte nicht geglaubt. Wie sollten auch Hasen Eier legen, das ist doch das Hauptgeschäft der Hennen.

Soll man den Geschichten Glauben schenken, der Osterhase hätte zusätzlich zum schweren Geschäft des Eierlegens auch noch das Bemalen derselben an sich gezogen, so soll hierzu Näheres beschrieben werden. Die ersten Osterhasen haben womöglich dieses Geschäft noch beherrschen können (die Bevölkerungsdichte war längst nicht so groß wie heute),  im Hinblick auf die immer größer werdende Belastung mussten sie aber diese Arbeit auf die Mütter und Omas übertragen. Den heute vielfach im Handel befindlichen Farbmitteln sind die Farbstoffe und Rezepte aus Küche und Garten vorzuziehen. Unsere Mütter bevorzugten zur Färbung Zwiebelschalen, die Eier wirkten wunderbar braun. Sollten sie rot werden, wurden sie in Rote-Beete-Saft getaucht. Petersilie machte die Eier grün, Wurzeln aus der Miete geholt verhalfen den Eiern zur orangegelben Farbe. Mit einer Speckschwarte erhielten die Ostereier den richtigen Glanz. Am besten eigneten sich weiße Eier zum Färben.

Ausgeblasene Ostereier eignen sich hervorragend zum Bemalen. Wir Kinder und auch unsere Kinder waren mit Begeisterung dabei, mit einem spitzen Gegenstand oben und unten kleine Löcher zu pieksen. Mit viel Puste und aufgeblähten Backen (oder sagt man Wangen?) wurde der Inhalt über eine bereitstehende Schüssel geblasen. Kreativität war gefragt, schöne Muster frei nach Picasso, Blumen oder Sprüche waren sehr begehrt. Ausgeblasene und bemalte Ostereier haben den großen Vorteil gegenüber den hart gekochten Eiern, dass sie Generationen überdauern können. Gekochte Eier müssen gegessen werden, jede noch so schöne Dekoration geht dabei unwiederbringlich verloren. Bei einem Besuch in einer Mecklenburgisch-Vorpommerschen Bauernstube konnte ich ausgeblasene und wundervoll bemalte Ostereier aus dem 19. Jahrhundert bewundern.

Das Eierwerfen oder „Eiertrüllen“ war in meiner Kindheit in Mode. Auf einer Weide noch frei von „Kohschiet“ wurden die Eier in die Luft geworfen. Gewonnen hat, dessen Ei nach dem Aufprall auf den Boden noch heil geblieben oder nach mehreren Würfen am wenigsten kaputt war. Auf dem Eierberg im Klosterpark fand das beliebte „Eiertrüllen“ statt. Auch hier galt, wer sein Ei heil herunter bekam durfte von seinem „Gegner“ das angeknackte Ei nehmen. Angeknackte Eier wurden sofort verzehrt, dabei kamen oftmals 10 und mehr Eier in den Verdauungstrakt. Von aufgekommenen Eiweißvergiftungen ist mir nichts bekannt geworden.

Ich wünsche schöne Ostereier!

Rudi Rabe

05.04.2012

Gründonnerstag, Vorgetragen beim Klönschnack im Friesenhof

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