Ein Bauernhof mit Geschichte

Vom Kirchenjurat bis zur Pferdezucht

Am Ortsrand von Schortens, dort, wo in einigen hundert Metern das Marschenland beginnt, liegt an der Straße nach Dykhausen, der Eilksstraße, ein Bauernhof, dessen Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurück reicht. Bis 1913 war der Hof im Familienbesitz der Nachkommen von Eilk von Moorwarfen. Eilks Name tradierte durch den patronymischen Namenswechsel durch die Generationen, bis er in der Franzosenzeit (1810-1813) zum festen Familiennamen wurde. Als solcher besteht er in dem Straßennamen bis heute fort.

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Das Bild zeigt die Hofstelle um ca. 1905

(links die Geschwister Anna, Ludwig und Hermann Eilks)

Urkundlich wird das Landgut bereits 1570 erwähnt. Der „Eigner“, so die damalige Bezeichnung des Eigentümers, war Gerdt Jacobs. Gerdt Jacobs war verheiratet mit Tialda Alrichs und war der Sohn des Eilk von Moorwarfen.
Er vererbte das Anwesen an Eilke Gerdes. Gerdes Ehefrau hieß Hauke, ihr Nachname ist nicht überliefert.

Nach dessen Tod im Jahre 1685 wurde Amme Eilkes zusammen mit Dudde Hillers und seiner Frau Trinke Eilkes (Schwester von Amme Eilkes) Eigentümer. Amme Eilkes verstarb ohne Kinder. Der Hof ging an Eilke Dudden, verheiratet mit Rünwe Johannsen, über. Nach dessen Tod im Jahre 1747 trat Dudde Ammen Eilks das Erbe an. Neben den Ämtern eines Armen- und Kirchenjurats war er 15 Jahre lang Deputierter der Jeverschen Landschaft.
Der Nachfolger Anton Eilks war Maire (frz.: Bürgermeister) des Kirchspiels Schortens in der Franzosenzeit (1810-1813). Von 1815 bis 1835 bekleidete er das Amt des Kirchspielvogts (eine Art Verwaltungsstelle). Dessen Sohn Dudde Ammen Eilks wurde nach der neuen Oldenburgischen Gemeindeordnung ab 1. Mai 1856 und damit der erste Gemeindevorsteher von Schortens und das bis zu seinem Todestag. Später oblag ihm auch das Amt des Standesbeamten.
Die Interessen des Heimatgebiets vertrat er als Abgeordneter im Landtag. Er war es auch, der das Platzgebäude 1848/49 neu errichten ließ, dessen Wohnhaus heute noch steht. Die heutige Eilksstraße ist nach ihm benannt worden. Er verstarb im Jahre 1877. Der Sohn Hermann Eilks war fast 30 Jahre bis 1912 Ratsmitglied der Gemeinde Schortens und Beigeordneter (vergleichbar mit einem stellvertretenden Bürgermeister).
Er verkaufte den Hof kurz vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs (1913) an Berend Folkers (*1855, † 1932) und dessen Frau Anna Helene geb. Behrens (* 1872, † 1937) und zog nach Jever. Aus der Ehe Berend und Anna Folkers gingen drei Kinder hervor. Berend Folkers ließ 1929 das alte Stallgebäude abreißen und errichtete dafür ein neues. Das Wohnhaus blieb erhalten und zeugt heute noch von einem Wohnstil vergangener Tage.

Nach einer Erbauseinandersetzung erwarb der Sohn Helmrich Folkers (* 1906) im Jahre 1933 den Großteil des Hofbesitzes. Zur Hochzeit mit Martha Behrends (* 1913) läuteten die Glocken der St.-Stephanus-Kirche am 12. Dezember 1936. Aus der Ehe gingen vier Töchter hervor, von denen zwei noch leben, die Zwillinge Berbel und Friedel.

Drei Säulen spielten im Leben von Helmrich Folkers eine besonders wichtige Rolle: Natürlichkeit, Gerechtigkeit und die soziale Fürsorge. Folgende Beispiele gibt es hierzu. Gleich nach dem Krieg suchte Folkers in Jever in der Neuen Straße ein bekanntes Eisenwarengeschäft auf, um Nägel für dringend zu reparierende Stallungen zu kaufen. In Arbeitskleidung und mit Spinnweben an seiner Mütze erschien er im Laden, dort wurde er abschlägig beschieden. Er bekam die gewünschten Nägel nicht, obwohl er sie in der Auslage sehen konnte. Das Geschäft hat er nie wieder betreten. So war er – für die Tour nach Jever zog er keinen guten Anzug an. Das Äußere war ihm nicht so wichtig.

Bekannt für seine soziale Einstellung ist ein anderer Fall. So bat ihn einmal eine ältere Witwe aus der Nachbarschaft um einen Zentner Kartoffeln. Die Frage, welchen Preis sie nun bezahlen müsse, wies er schroff ab: „Wenn Se de Tuffels nich schenkt hebben willt, denn laat Se hör man hier.“ Er hat der Frau die Kartoffeln ohne Bezahlung mitgegeben.

Die Arbeiten im Ackerbau und in der Viehhaltung erforderten wesentlich mehr Hilfskräfte als heute. Obwohl mit der Zeit immer mehr Technik eingesetzt wurde, war die menschliche Einsatzkraft unersetzbar. Die Hilfskräfte gehörten mit zur Familie. Martha Folkers sorgte für deren Wohl und brachte immer ein deftiges Essen auf den Tisch.

Viele Ehrenämter hatte Helmrich Folkers inne. 32 Jahre war er im Vorstand und Aufsichtsrat der Raiffeisenbank Jever tätig. Über ein Vierteljahrhundert war er treues Gemeindekirchenratsmitglied der Evangelischen Kirchengemeinde Schortens. Sein Wort galt etwas, und den Klingelbeutel-Dienst ließ er sich nicht nehmen. Für die FDP saß er im Gemeinderat und im Kreistag.

Sein besonderes „Steckenpferd“ war die Pferdezucht. Viele Pferde erreichten auf Auktionen gute Preise. Zur Förderung des Reitsports richtete er auf seinem Hof einen Reitplatz ein. Die Freunde des Reit- und Fahrvereins Ostiem und auch andere Pferdeliebhaber übten am Sonntagvormittag den Umgang mit den Pferden. In früheren Jahren noch selbst als Reiter aktiv, schaute er jetzt, genüsslich an seiner „Havanna“ ziehend, den Übungen zu. Fast zwei Jahrzehnte war der Reitplatz zugänglich, bis er dann der Erweiterung des landwirtschaftlichen Hofes weichen musste. Zwei Brände verursachten am Stallgebäude große Schäden. Sie konnten mit vereinten Kräften beseitigt werden.

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Reit- und Fahrverein Ostiem, 1960 (2 Fotos: Privat)

Im Mai 1973 beendeten die Eheleute Folkers ihre aktive Arbeit. Sie übertrugen den Hof an die Tochter Berbel und ihren Mann Claas Hinrichs. Die Altenteiler zogen um auf die gegenüberliegende Straßenseite in ihren neuen Bungalow. Von hier aus konnten sie nun verfolgen, wie sich der Hof weiter gut entwickelte. Helmrich Folkers segnete das Zeitliche 1983, seine Frau folgte ihm 1988.

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