Wald Upjever in einem Spannungsfeld

VORTRAG Für Militär-Planer hat der Forst bislang keinerlei historische oder ökologische Bedeutung

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Streufert sieht gute Chancen für Renaturierung: Schon nach fünf Jahren würde ein Zustand erreicht, über den sich viele wundern.
UPJEVER/OS – Die historische Bedeutung des Forstes in Upjever brachte Revierförster Carsten-Friedrich Streufert in einem Vortrag den Mitgliedern des Heimatvereins Schortens nahe.
Peter Homfeldt vom Vorstand begrüßte den Fachmann und rund 50 Besucher, die sich für die Geschichte des Waldes interessierten und sich im Anschluss an den Vortrag auch über die Möglichkeiten der Renaturierung von Flächen erkundigten, die im Laufe der Jahre für den Bau und die Erweiterung des Fliegerhorstes hatten aufgegeben werden müssen.
Streufert stellte in seinen Vortrag „Upjever – Ein Wald im Spannungsfeld zwischen Politik und Militär“ dar, dass der Forst von Beginn an ein wechselhaftes Schicksal erlebte. Immer ging es hier um militärische Präsenz. Nie aber sei das Thema so aktuell gewesen wie heute, meinte er.
Erst vor wenigen Wochen war wie berichtet der Flugplatz entwidmet worden, schon länger waren keine Maschinen mehr gelandet.

Ausführlich zeigte Streufert die Historie der Landschaft auf, Eindrücke, die im Forst heute noch zu sehen sind. Vom mittelalterlichen Wall, der mit Weißdorn bepflanzt war und dem Dorf als Schutz gegen das Vieh gedient hatte, bis hin zu Gräbern, die bereits in der Bronzezeit entstanden waren und in denen hochgestellte Persönlichkeiten bestattet worden sein müssen.
Detailliert ging er auch auf die Landesgrenze zwischen den Oldenburgern und den Ostfriesen ein, die vor 500 Jahren gesteckt wurde, natürlich mit dem Bau einer Schanze, und die heute noch Kreisgrenze ist. „Diese Grenzziehung wurde damals bereits zementiert“, betonte Streufert. Zur Zeit der französischen Besetzung wurde das Holz im Forst für Artilleriestellungen gebraucht: „Der Wald sah schrecklich aus.“ Erst Großherzog Nikolaus Friedrich Peter als begnadeter Gärtner habe wieder dafür gesorgt, dass aufgeforstet wurde.
Dann sei im Ersten Weltkrieg bereits eine große Schneise in den Wald geschlagen worden, bevor im Zweiten Weltkrieg der Beschluss für den Flugplatz durch Hermann Göring fiel, der später noch erweitert wurde. „Das Herz des Upjeverschen Forstes ging damals verloren“, bedauerte Streufert, der auch Pläne für eine weitere Startbahn zeigte, die bisher unter Verschluss geblieben waren. Pläne, die fast den kompletten Waldbestand zunichte gemacht hätten. „Für die Planer im Militär hatte der Wald keinerlei historische oder ökologische Bedeutung“, bilanzierte Streufert. Für die Pläne sei aber nicht die militärische Notwendigkeit ausschlaggebend gewesen, sondern Forderungen aus dem zivilen Umfeld nach mehr Ruhe.
Über eine zweite Startbahn hätte der Lärm dann nicht mehr Schortens, sondern Dykhausen und Sande getroffen. Zum Glück seien diese Pläne nicht umgesetzt worden. Für eine Renaturierung sieht Streufert gute Chancen: „Schon nach fünf bis zehn Jahren würde sich ein Zustand erreichen lassen, über den sich viele wundern würden“, so seine Einschätzung.

Quelle des Textes: Jeversches Wochenblatt vom 18.08.2014

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