Ex-AEG-Olympia-Gelände Roffhausen ist nun ein Industriepark

Technologie Centrum Nordwest beheimatet zwölf Unternehmen

Schortens (CW) – Das Technologie Centrum Nordwest (TCN) kann nach einjähriger Planung und Vorbereitung starten. Auf dem Betriebsgelände der ehemaligen AEG Olympia Office GmbH in Roffhausen siedelten sich zwölf technisch-orientierte Unternehmen an, die insgesamt rund 1200 Mitarbeiter beschäftigen.

Nachdem Mitte 1991 bekannt geworden war, dass der Produktionsstandort Wilhelmshaven (Schreibmaschinen) von der AEG Olympia Office GmbH nicht gehalten werden kann und somit rund 2700 Arbeitsplätze gefährdet sind, begaben sich hochrangige Politiker – wie beispielsweise der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder -, die Konzernzentrale der Daimler-Benz AG – in Person des Vorstandschefs Edzard Reuter -, aber auch Arbeitnehmervertreter von AEG Olympia auf die Suche nach Lösungen. Geboren wurde die Idee eines Industrieparks, in dem sich Gewerbebetriebe unterschiedlichster Technologien ansiedeln sollten, um so einem Teil der Olympia-Mitarbeiter eine neue berufliche Perspektive zu geben und die Industrieregion Wilhelmshaven zu retten.

Die Idee wurde in die Tat umgesetzt. Mit Beginn des neuen Jahres startet das Technologie Centrum Nordwest (TCN), das zwölf Unternehmen beherbergt, die zusammen 1200 Mitarbeiter beschäftigen.

1200 Mitarbeiter in zwölf Unternehmen

Dazu gehören unter anderem die Rawe GmbH, die elektronische Bauelemente, Baugruppen und Geräte fertigt, der neu gegründete Telecom-Dienstleister European Teleservice Center GmbH i.G., der ab Frühjahr 1993 einen 24-Stunden-Telefonservice anbieten will, die Enko Entwicklungs- und Konstruktionsgesellschaft, die mit der Herstellung von elektronischen Systemen befasst ist, die Berthold Bolz Vertriebsgesellschaft mbH, die als Ingenieurbüro sowie Industrievertretung Wilhelmshaven als Vertriebsstützpunkt wählte, die noch junge Prosoft GmbH, deren Mitarbeiter vor allem PCs auf ihre Funktionsfähigkeit testen, aber auch Software und Hardware entwickeln sowie warten, die Konzept GmbH, deren Spezialgebiet die Erstellung von technischer Dokumentation ist, die Debis Systemhaus DCS, deren Angebot von der Konzeption bis hin zur Realisierung kundenspezifischer Lösungen auf dem Gebiet der verteilten Datenverarbeitung mit Workstatations, Netzwerken sowie RZ-Anbindungen reicht, die OSG Office Service GmbH, die aus der Serviceabteilung der ehemaligen AEG Olympia Office GmbH einstanden ist, die Olympia Office Vertriebsgesellschaft mbH sowie die ehemalige Aus- und Weiterbildungsabteilung von AEG Olympia Office, die nunmehr als eigenständige Gesellschaft ihre Arbeit fortsetzt.

Quelle:  Ex-AEG-Olympia-Gelände Roffhausen ist nun ein Industriepark: Technologie Centrum Nordwest beheimatet zwölf Unternehmen – computerwoche.de – Archiv 1992 / 52.

Angst vor dem Urlaub

AEG Olvmpia Das Ende des verlustreichen Schreibmaschinenherstellers ist kaum noch abzuwenden. Nur ein Technologiepark könnte die meisten Arbeitsplätze retten

Von Frank Thomsen Quelle

Ein Werk im Ausnahmezustand: Zwischen modernen Fertigungsstraßen und Endmontagegeräten der AEG Olympia hängt schwarzer Trauerflor. An den Wänden der langen Hallen prangen Sprüche gegen den Chef von Daimler Benz, zu dessen Konzern auch Olympia gehört: „Edzard Reuter — der skrupelloseste Plattmacher Deutschlands“. Die Stimmung in der Belegschaft ist düster „Die lassen uns hier kalt verrecken“, meint einer, die anderen nicken. Hinter ihnen verkünden Transparente, worum es geht: „AEG Olympia — Das Herz der Region muß weiterleben!“

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Das tut denen weh

Werkschließung bei AEG schadet dem Daimler-Image

Quelle

Ein paar Sekunden lang sagt Ernst Georg Stöckl gar nichts mehr. Mit seinen kräftigen Armen stützt er sich auf das Rednerpult, die Finger umkrallen den vorderen Rand. Der Mann sucht Halt.

Vor dem AEG-Chef, in Halle 26 des Olympia-Werks Wilhelmshaven, brüllen und pfeifen gut tausend Beschäftigte. Holger Ansmann, der Betriebsrat, warnt Stöckl: „Wenn Sie die Mitarbeiter hier verhöhnen, dann kann ich für die Sicherheit nicht mehr garantieren.“

Geduldig hatte die Belegschaft zunächst zugehört, als Stöckl seinen Text vorlas. Sie wußten ja alle vorher, was der Chef ihnen sagen würde: „Rote Zahlen . . . keine tragfähige Zukunft . . . der Markt zwingt uns . . . haben uns die Entscheidung nicht leichtgemacht . . .“

Das Werk, das mit 2700 Beschäftigten seit Jahren Schreibmaschinen produziert, die mit japanischen Geräten kaum konkurrieren können, soll bis Ende 1992 geschlossen werden.

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