Kennen Sie den Vizebohnenvogel?

Heimatkundlicher Vortrag von Werner Menke

Im Rahmen der Vortragsveranstaltungen hatte der Heimatverein Schortens eine glückliche Hand, mit Werner Menke einen excellenten Naturkenner gewonnen zu haben. Vor einer großen Zuhörerschar im Bürgerhaus Schortens referierte er über die Bedeutung von Vögeln im friesischen Volksglauben. Er bezog sich auf die Ausführungen des 1825 in Jever geborenen und später als Amtsrichter in Oldenburg tätigen Ludwig Strackerjan. Dieser war Herausgeber des Druckwerks „Aberglauben und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg.“

Und was ist der Vizebohnenvogel? Es ist der Pirol, der auch Pfingstvogel genannt wird. Früher ein zahlreich anzutreffender Vogel, ist er heute eher selten. Das Lieschenallerei ist der Gelbspötter. Der Kuckuck (in einigen Landesteilen Gauch) wird auch Ostervogel genannt, auch wenn er in unseren Gefilden erst später von seiner langen Reise aus Südafrika eintrifft. Interessant war der Hinweis, dass das Zugverhalten des Kuckucks mittels eines bestückten Senders über www.lbv.de/kuckuck tagtäglich verfolgt werden kann. Ableitungen der Vogelnamen sind auf Sagen und Legenden zurückzuführen. Viele Vogelsprüche begründen sich auf die alten Erfahrungen unserer Vorfahren.

Im zweiten Teil seines Vortrages befasste er sich mit Spuk und Aberglauben. Hier einige Beispiele:

Wenn man die erste Bachstelze sieht, wirft man sich sofort zu Boden und wälzt sich, das schützt vor Krankheiten.

Wo Schwalben nisten, bleibt das Unglück fern und schützt vor Feuergefahr.

Aufgehangene tote Krähen sollen Pferde vor Krankheiten bewahren. Sie hatten aber auch noch einen anderen Zweck, nämlich Artgenossen fernzuhalten.

Das es nicht zu ernst zuging, verdeutlicht diese Frage: „Ruft der Kuckuck vor Pfingsten oder nach Pfingsten? Antwort: Kuckuck.

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Lichtnelke

Bild: Naturschutzstiftung Region Friesland-Wittmund-Wilhelmshaven

Früher galten die Eulen und Rabenvögel als Verkünder eines nahen Todes. Es tauchte die Frage auf: Was hat der Kuckuck mit Hexen und Teufeln zu tun? Das Wort Kuckuck galt als Hüllwort für den Teufel oder die Hexe. „Scher dich zum Kuckuck (nicht zum Teufel!).“Zum Schluß lautete die Frage: „Was, zum Kuckuck, bringt den Gauch dazu, mit seiner Spucke auf die Lichtnelke zu zielen? Diese „Spucke“ ist die Ausscheidung einer Zikadenlarve, um sich damit vor dem gefressen werden zu schützen. Vögel hatten im Alltag unserer Vorfahren einen hohen Stellenwert. Es ist zu hoffen, dass die heutige junge Generation mehr Zuwendungen zur Natur bekommt und unsere Vogelwelt nicht ganz aus den Augen verliert.

R.Rabe

20.02.2015

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