Heimatliche Gefühle in gebundener Form

Heimatverein Schortens brachte Buch mit Geschichten und Biografien heraus

Alles begann mit alten Akten, die Karin Toben von ihrer Mutter geerbt hatte. Darin waren unter anderem Dokumente über ihren Großvater Karl Gerhäuser, der, obwohl gebürtiger Franke, nach dem Zweiten Weltkrieg Bühnenleiter der Volksbühne Oestringen war.

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Diesen Fund bot sie Anfang dieses Jahres Rudi Rabe vom Heimatverein Schortens an, der die Initialzündung zum jetzt vorgestellten, 148seitigen Buch ‘Das höchste der Gefühle – ist ein Mädchen aus Heidmühle’ wurde. Autoren sind neben Toben und Rabe Ilse Detjen, Alfred Amman, Horst Janßen, Otto Meins und Georg Schwitters (Verlag Hermann Lüers, Jever, 18 Euro). Für die Korrektur wurde Hermann Lüers und Gerd Frerichs gedankt.

Heimatvereinsvorsitzender Michael Kunz verriet den rund 130 Gästen, die ihm vorliegende pdf-Datei könne keineswegs mit dem tatsächlichen Buch mithalten, und hob die gute Bildauswahl hervor.

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Rudi Rabe erklärte den “Heimatfreunden und erwartungsvollen Bucherwerbern” im Schortenser Bürgerhaus die Entstehungsgeschichte des Buches wie die eines Hauses, bei dem sich aus Plänen innerhalb eines halben Jahres, das man auch eingeplant hätte, ein fertiges Werkstück entwickelt habe. Eines sonnigen Februartages rief Karin Toben bei Rudi Rabe an und bot ihm nicht nur besagte Akten an, sondern auch ihre Mithilfe, unter dem Eindruck des drohenden Abrisses in der Bahnhof- und Oldenburger Straße das Gesicht Alt-Heidmühles zu bewahren. Heidmühle als Ortsname sei nach 1945 schrittweise aus Urkunden und Siegeln verschwunden. Die einzigartige Verbundenheit der Menschen mit ihrem Herkunftsort, gewissermaßen ein “Heimatsehnen”, werde durch derartige Reformen verletzt.

Der Heimatvereinsvorstand war sofort einverstanden, Herausgeber einer Dokumentation zu werden, die “für die Nachwelt Fakten festhält” und nun „einen Wimpernschlag nach dem ersten Kontakt“ vorliegt. Die genannten Autoren suchten Personen, die zu bekannten Persönlichkeiten wie Pastor Gerhard Aden und Hein Detjen, zu Firmen wie Hasenkamp oder E.W.Hayen und zu Ereignissen wie dem Zweiten Weltkrieg oder dem Kramermarkt Auskunft geben konnten. Für das Buch wurden rund 600 Fotos eingescant und archiviert und Kontakt zu etwa 200 Personen bis nach Plauen zum 90-jährigen Walter Herkens aufgenommen, dessen Berichte aus seiner Elektrikerlehre bei Hermann Held am Schulweg und von Aufträgen auf dem entstehenden Fliegerhorst leider für das Buch zu spät kamen. Die Autoren stellten ihre Texte im Wettstreit fertig und spielten sich dabei die Bälle zu. Von dem Buch wurden 1000 Exemplare gedruckt und ein Zehntel gleich am ersten Abend von Antchen Siuts, Dorothea Drost-Knötig und Brigitte Höth verkauft. Rabe, Toben und Janßen gaben im Wechsel mit musikalischen Beiträgen des Bandoneonspielers Rocco Boness und des Gemischten Chores Schortens Kostproben ihrer Texte.

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Der Chor kam aus der Probe heraus und brachte unter anderem ‘Mien Moderspraak, wo klingst du schöön’ zum Besten, und auch Boness war nicht zufällig hier.

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Karin Toben hatte im April eine Musikkritik über den Oldenburger gelesen und war der Ansicht, das von ihr vor zehn Jahren vom Scheiterhaufen geborgene Bandoneon, das sie ihm aus diesem Anlass überreichte, sei bei dem Musiker am besten aufgehoben. Die Autorin erinnerte an Heidmühler Lehrer und Pastor Aden, an Hebammen und Bestatter in der selben Familie. Horst Janßen ließ, angeregt durch einen Fotofund auf dem Dachboden, Bombennächte Revue passieren und ebenso die Kletterei auf Bunkerruinen nach Kriegsende. Von Rudi Rabe erfuhren die Anwesenden von der Biberzucht der Familie Niemann und Hermann Brocke, Förderer des Sports. Alfred Amman gibt im Buch einen Abriss der Geschichte Heidmühles. Bis auf Georg Schwitters schrieben alle Autoren auf Hochdeutsch und beschränkten das Plattdeutsche auf Zitate und Spitznamen. Schwitters führte das darauf zurück, dass Heidmühle früh im 20. Jahrhundert ein “Schmelztiegel von Immigranten” gewesen sei, in dem die Ostfriesen allerdings ein Gegengewicht zu sprachlicher Überfremdung dargestellt hätten. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts habe Heidmühle zur Hälfte Platt gesprochen, seine eigenen Heidmühler Mitschüler am Mariengymnasium Jever, Arzt- und Lehrerkinder, gehörten allerdings zum überwiegenden Teil nicht dazu.

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Die Autoren wünschten ihren Lesern vergnügliche Stunden mit dem Werk, in das man mit einem Bild vom Kramermarktsumzug oder aus dem Freibad, wie sie auf der Bühne gezeigt wurden, oder einem Namen einsteigen und Erinnerungen wachrufen kann. Es soll helfen, jenseits der Hektik die Umwelt mit anderen Augen zu sehen. Hingewiesen sei an dieser Stelle darauf, dass bereits sieben lesenswerte Bücher vom Heimatverein veröffentlicht wurden. Michael Kunz verwies auch auf Rudi Rabes Beiträge auf der Vereinshomepage, die innerhalb eines halben Jahres 1500 Zugriffe verzeichnen konnten.

Hintergrundpräsentation während der Vorstellung

Ein Gedanke zu „Heimatliche Gefühle in gebundener Form“

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich habe mich sehr über ihre Aktivitäten zur Heimatpflege gefreut und kann sie nur auffordern, die Arbeiten hieran nicht zu beenden.
    Jedoch als kleinen Wermutstropfen möchte ich anmerken, dass sie bitte die Bilder aus der Hintergrundpräsentation bitte noch einmal Kritisch auf die Qualität überprüfen sollten. Es könnte das eine oder andere Foto sicherlich entfernt werden.
    Hiermit möchte ich mich bedanken und wünsche allen Beteiligten weiterhin gutes Gelingen und viel Freude.
    Mit freundlichen grüßen
    Michael Bußmann-Kuban

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