Eiben im Klosterpark jetzt besser geschützt

Damit die nach Expertenmeinung über 1000-jährige Eibe beim Regionalen Umweltzentrum (RUZ) und der rund 800 Jahre alte Baum hinter dem Klostergarten auch weiterhin Besucher des Parks erfreuen, wurden die Bäume nun in Zusammenarbeit des Heimatvereins Schortens und des Vereins Gattersäge mit Zäunen umgeben.

 

 

 

 

 

 

Das pflegeleichte Lärchenholz stamme aus dem Klosterpark und sei eine Spende der Stadt Schortens, dessen Baubetriebshof vor etwa drei Wochen auch die 96 Meter langen Einfriedungen aufstellte, erklärte Michael Kunz.

Er übergab eine Spende an Horst Janßen, Kassenwart des Vereins Gattersäge, als Dank für das Sägen der Bretter, das 30 Stunden in Anspruch genommen habe.

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Die Idee zur Umzäunung hatten Gisela und Henri Weinbecker, die den Kräutergarten des RUZ pflegen, vor zwei Jahren.

Das Wurzelwerk sei arg strapaziert gewesen, und der Heimatverein habe sich in den Baumschutz einbringen wollen, so Kunz weiter. Auch die Landfrauen waren bei der kleinen Feier mit von der Partie. Sie buken köstliche Buchweizenpfannkuchen, die die Gäste mit Löwenzahnsirup genossen.
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“Sie möge leben, blühen, wachsen und fruchten”, wünschte Hans-Peer Thiemann von der Stadt Schortens der beeindruckenden Eibe am RUZ. Nachdem sie etwas “in Form” geschnitten und umzäunt wurde, solle sie vorerst nicht mehr für Sämlinge beerntet werden. Früher habe der Baum Familien Lohn und Brot gebracht, die die Beeren mit Strauchbesen abschlugen.

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Thiemann gab einen Überblick über die Bedeutung von Eiben, lateinisch ‘taxus baccata‘, als heilige Bäume der Germanen, die diese mit Glaube und Tod verbanden. Der althochdeutsche Name ‘Iwa’ des von Mythen umgebenen Baumes sei dem Wort ‘Ewa’, das Ewigkeit bedeute, sehr nahe. Die große Eibe könne bereits vor Gründung des Klosters Oestringfelde auf einer Thingstätte gepflanzt worden sein. Um 780 begann hier der langwierige Prozess der Christianisierung der Oestringer Friesen, die im nahen Engelsmeer getauft wurden. Den Bau des Klosters um 1175 erlebte die Eibe mit, diese Bäume wurden gerne an Kirchen, Kapellen, auf Friedhöfen und Schlachtfeldern gepflanzt. Bei Begräbnissen wurden oft Taxuskränze getragen. Zum Glück wurde die Eibe nicht im Mittelalter gefällt, um aus ihr Langbögen und Armbrüste zu machen. Auch die Auflösung des Klosters 1577 überlebte der Baum. Hille Engelken, die letzte Nonne, starb 1596. Hofrat Heinrich Ehrentraut erwarb 1839 das Klostergelände und das Gut. Die Eibe wurde Teil einer Anlage nach dem Vorbild englischer Landschaftsparks. Das Klostergut vor dem Park entstand 1910. Neun Jahre später wurde der Park öffentlich zugänglich.
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Die Grundschüler Fin-Hendrik Eckhoff und Lara-Jolena Neumann trugen kleine Texte auf Platt vor. Fin besucht die vierte Klasse der Grundschule Schortens und lernt bei Horst Janßen Plattdeutsch. Er hatte sich die Geschichte ‘De Stadtmus un de Feldmus’ ausgesucht. Lara-Jolena  errang beim Plattdeutschen Lesewettbewerb friesländischer Schüler den zweiten Platz und trug das Gedicht ‘In Schörtens bün ick to Hus’ der Heidmühlerin Mine Scherf vor. An der Grundschule Heidmühle lernt die Drittklässlerin Plattdeutsch bei Ilse Detjen.

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Sie selbst berichtete mit den Worten Helmer Stumbergs von ‘De dusendjährige Eibe in d’ Klosterpark’.

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Johann Rose erinnerte sich an einen Schulausflug anno 1925 in den Klosterpark. Von Hohenkirchen aus fuhr man mit Pferd und Wagen zunächst nach Siebetshaus, wo ausgespannt wurde, und wanderte zum Klosterpark. Dort, bei der damaligen Gartenwirtschaft Placke, erzählte der Lehrer dann die Geschichte der Eibe. Rose las auch aus dem Buch von Johann Ahrens ’Das Kloster Oestringfelde’, in dem dieser aus seiner Zeit vor gut 90 Jahren im 1862 errichteten Steinhaus neben der Eibe berichtete. Ahrens wohnte dort bis 1916 und übernahm dann eine Landwirtschaft in Zissenhausen. Sein Nachfolger war der Wirt Placke.

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Rudi Rabe berichtete aus seiner Schulzeit in Oestringfelde, als es mit Hauptlehrer Friedrich Schulze regelmäßig im Frühjahr und Herbst in den Klosterpark ging. Hier gab es einen Sportplatz mit Sand- und Weideflächen. Lehrer Schulze erklärte seinen Schülern aber auch anschaulich Naturkunde sowie die Geschichte der Turmruine. Rabe erinnerte sich an die Familie Jakobs, die hier in einer Baracke lebte. Deren Großvater habe die Kinder davor gewarnt, die zuckersüßen Beeren der Eibe zu essen. Die giftigen Kerne hätten sie auch tatsächlich immer ausgespuckt. Ihre Kletterspuren in den Eiben seien sicherlich inzwischen verwachsen. Im Park sammelten sie kiloweise Bucheckern und Maronen, die mit der Flitsche verschossen wurden. Die Konkurrenz der Sammler sei groß gewesen. Zu ihren Kindervergnügen gehörten Schlittenfahrten, das Rodeln am Eierberg, und eine unerlaubte Grabung am Schuttberg. Den Teil eines menschlichen Unterkiefers, den sie dort fanden, hielten seine Eltern für einen Schweineknochen. Die Zeit dort sei ihnen gut bekommen. Rabe hatte ein großformatiges Foto der großen Eibe mitgebracht, das Ende der 20er Jahre von seinem Vater gemacht wurde. Ins Steinhaus zogen zeitweilig Mitglieder des Reichsarbeitsdienstes, die anschließend zur Luftwaffe oder dem Volkssturm abkommandiert worden seien. Nach dem Kriege lebten hier die bereits erwähnten Flüchtlinge.

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Zusammenarbeit Gattersäge mit dem Heimatverein

 

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Schild am zweiten Schutzzaun

 

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Ausführungen zur Eibe von Hans-Peer Thiemann:

 

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•    Der Eibe, lateinisch Taxus baccata, umweht seit alters her ein besonderer Mythos. Der Althochdeutsche Name der Eibe ist „Iwa“ die Bezeichnung ist sehr nah angelehnt an „Ewa“, der Ewigkeit. Diese Bäume werden in vielen Kulturen verehrt und sind eng verbunden mit Glauben und Tod und so wurzelt die Klosterparkeibe, einer der Heiligen Götterbäume der Germanen, durchaus auf altem vorchristlichem Boden.

•    Vor der Christianisierung befand sich hier eine Thingstätte, ein Versammlungsplatz, vielleicht auch ein Friesisches Heiligtum, zur Christianisierung wurden diese Plätze von den Missionaren aufgesucht und hier um 780 begann der jahrhunderte lange Prozess der Taufe und Christianisierung der Östringer Friesen z.B. im nahen Engelsmeer.

•    um 1175, im frühen Mittelalter wird eine Klosterkirche mit Domeri an dieser Stelle errichtet. Die Eibe ist dabei, sie wird gerne im Mittelalter an Kirchen, Kapellen, Friedhöfen und auf Schlachtfeldern gepflanzt. In dieser Zeit wurden z. b. Taxuskränze bei Begräbnissen getragen.

•    Dieser Baum überlebt den mittelalterlichen Raubbau der Eibenwälder zu zwecken der Waffenproduktion. Aus Eibenholz wurden Langbögen und Armbruste gefertigt. Auch die Reformation 1525 und die sich daran anschließende Auflösung des Klosters circa 1577 übersteht der Baum.

•    1596 erlebt er den Tod der Letzten Nonne des Klosters. Hille Engelken

•    Rund um diese Eibe gehen in den folgejahrhunderten die Klostergebäude zugrunde, betrieben wird weiterhin das Klostergut.

•    Erst 1839 Erwirbt Hofrat Heinrich Ehrentraut die Wüstung des Klosters und das Gut. Dem Baum geht es jetzt besser, eine Parkanlage nach englischem Vorbild entsteht. In direkter Nachbarschaft zum Baum um 1862, das Steinhaus. Um 1910 wird das Klostergut „Vor den Park gesetzt“.

•    1919 wird der Baum kommunal, der Park öffentlich, Park-, Gaststätten- und Hotelbesucher, ArbeitsdienstlerInnen, Flüchtlinge jeder Couleur wechseln sich in seinem Schatten ab

•    Nach Expertenmeinung soll der Baum jetzt um die 1.000 Jahre alt sein, viel hat er mitgemacht, einigen Familien haben seine Kinder Lohn und Brot gegeben, müde ist er geworden und so haben wir zu seinem fortbestand und zu seiner Genesung beschlossen den Baum gründlich zu Untersuchen, ihn zu fördern, sein Wurzelwerk zu Schützen, ihn nicht mehr zu Beklettern, Ihn etwas „in Form“ zu schneiden und Ihn, zumindest vorläufig, nicht mehr zu beernten.

•    Vier Wünsche habe ich an Ihn: vivat, crescat, floreat, fructat. Er möge leben, wachsen, blühen und fruchten


Quelle: Jeversches Wochenblatt, Rubrik: Aktuell, Ausgabe vom 23.05.2011

Zaun zum Schutz der uralten Eiche

Baum soll mindestens 1000 Jahr alt sein / Wurzeln brauchen dringend Schutz

Schortens/OS – Heimatverein, RUZ und der Verein „Gattersäge“ sorgten für 96 Meter Zaun um uralte Bäume. Mindestens 1000 Jahre soll sie schon alt sein. Und mindestens noch einmal 1000 Jahre Leben wünschen ihr die Mitglieder des Heimatvereins Schortens, des Vereins Gattersäge, die Mitarbeiter des Regionalen Umweltzentrums (RUZ) und viele Einwohner von Schortens. Die uralte Eibe direkt vor dem RUZ-Gebäude ließen die guten Wünsche, die am Sonnabend speziell ihr galten, allerdings völlig unbeeindruckt.

Nicht einmal ein leises Nicken der Wipfel war drin. Windstille. Doch so unbeeindruckt die Eibe auch dastand, Handeln sei dringend notwendig gewesen, erklärte nicht nur Bürgermeister Gerhard Böhling. Die alte Eibe und ebenfalls eine weitere im Klosterpark hatten deutliche Spuren gezeigt, die andeuteten, dass es nicht zum Besten um sie bestellt sei. Unter anderem die Wurzeln brauchten dringend Schutz. Der Heimatverein, der sich auch den Schutz der Natur und erst recht des Klosterparks auf die Fahnen geschrieben hat, hatte schnell ein offenes Ohr.

Gemeinsam mit dem Verein Gattersäge und dem RUZ wurden erst Überlegungen angestellt, dann Pläne gemacht. Am Sonnabend nun wurde der Abschluss der Pläne gefeiert. In der Zwischenzeit wurde Holz angeliefert, 30 Stunden wurde in der Gattersäge gesägt, dann waren 96 Meter Zaun aus feinster deutscher Lärche (unproblematisch und wartungsfrei und übrigens direkt aus dem Klosterpark) fertig. Der Bauhof brachte die Zäune an und somit kann sich nun der Schutz der Eiben sehen lassen: Vor dem Zaun heißt es stopp! Denn um die historischen Bäume noch möglichst lange zu erhalten, darf man eben nicht mehr darauf klettern.

Auch das Ernten der Früchte solle in nächster Zeit unterblieben, erklärte Hans-Peter Thiemann und das Betreten des Erdreichs direkt bei den Wurzeln soll so auch vermieden werden. Das optische Signal ist deutlich, bleibt nur zu hoffen, dass sich auch alle daran halten. „Zäune haben ja etwas Trennendes, hier aber sind sie zum Schutz gedacht“, erklärte Horst Janßen von der Gattersäge. Michael Kunz vom Heimatverein begrüßte zahlreiche Besucher, die die Gelegenheit nutzten, sich im Klosterpark einmal umzusehen.

Marianne Oetken und Karin Jacobs von den Landfrauen hatten alle Hände voll zu tun, um die Besucher mit leckeren Buchweizenpfannkuchen zu verwöhnen. Und Bürgermeister Gerhard Böhling erklärte, die Stadt arbeite gerade an einem Konzept für den gesamten Klosterpark, das der Bedeutung als Landschaftsschutzgebiet und als bedeutender historischer Ort gleichermaßen gerecht werden solle. Nicht nur die Eiben, auch zum Beispiel die Klosterruine benötige einen Schutz. Eine richtig runde Feier hatten die Ehrenamtlichen aus dem Heimatverein, der Gattersäge und von den Landfrauen organisiert.

Neben vielen Informationen zum Beispiel zur Biografie der Eibe, über die Hans-Peter Thiemann berichtete, lasen Ilse Detjen, Lara Neumann und Fin Hendrik Eckhoff plattdeutsche Gedichte und Geschichten vor, Johann Rose berichtete aus längst vergangenen Zeiten vom Klosterpark und Rudi Rabe übergab ein Bild des RUZ, das Ende der 1920er Jahre aufgenommen worden war. Schon hier ist die Eibe so mächtig und stolz wie sie heute immer noch zu sehen ist. Ina Rosemeyer, Mitarbeiterin des RUZ nahm das Foto entgegen.

Ein Gedanke zu „Eiben im Klosterpark jetzt besser geschützt“

  1. Vielen Dank für den Newsletter, das ging ja schnell. Es war eine gelungene Veranstaltung,
    die sicher lang geplant und gut vorbereitet war, aber sehr ungezwungen daherkam. Die kleine Feier hätte noch ein paar Besucher mehr verdient. Es war sehr schön und gut ein toller Einstieg ins Wochenende.

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