Bahnlinie lässt Heidmühle zügig wachsen

Ortsgeschichte – Wie sich ein Schortenser Anhängsel zum Zentrum der heutigen Stadt entwickelte


BILD: Martin Noormann. Diese Aufnahme entstand vor 25 Jahren im Sommer 1986.

 

Die Oldenburger Straße hatte sich zur Hauptdurchgangs- und Geschäftsstraße entwickelt, bevor im Rahmen der Ortskernsanierung der Durchgangsverkehr über die Ladestraße geführt wurde.

Die Heidemühle tauchte bereits Mitte des 16. Jahrhunderts auf. Die eigentliche Gründung der Ortschaft Heidmühle liegt 140 Jahre zurück.

Der jüngste Ort in der heutigen Stadt Schortens ist das Zentrum Heidmühle. Markiert wurde der Standort Heidmühle bereits 1561. In jenem Jahr wurde die Mühle aus Schoost in die weite Heide verlegt. Die eigentliche „Geburtsstunde“ Heidmühles muss man aber in den Jahren 1870 und 1871 suchen müssen.

Das Großherzogtum Oldenburg hatte sich damals entschieden, eine vierte Bahnstrecke von Sande nach Jever zu bauen. Nach längeren Verhandlungen wurde der größere von zwei Bahnhöfen in der Gemeinde Schortens in der Nähe der Mühle in der Heide, bekannt als „Heidemühle“, errichtet und auch mit Heidmühle benannt. Am 15. Oktober 1871 wurde der Bahnverkehr aufgenommen. Das hat die Entwicklung eines Ortes rund um die Heidemühle ausgelöst, der heute der bevölkerungsreichste Teil der Stadt Schortens ist.
Doch der Ort wuchs anfangs langsam: Noch die Volkszählung vom Dezember 1905 ergab in Heidmühle nur 257 Einwohner von damals inzwischen 2550 Einwohnern in der Gemeinde Schortens.

Immer mehr Schulen

Auch in der Schulbauplanung der Gemeinde Schortens vor 100 Jahren spiegelt sich die nur langsame Bevölkerungsentwicklung Heidmühles wieder. Etwa seit dem Mittelalter unterhielten alle Gemeinden in ihren Kirchdörfern eine zentrale Schule. Zum Ende des 19. Jahrhunderts begann das Bestreben, in allen größeren Ortsteilen Volksschulen zu unterhalten.

So baute die Gemeinde Schortens zunächst 1888 eine Schule in Ostiem, 1905 in Oestringfelde und erst 1910 in Heidmühle am damaligen Schulweg und der heutigen Heinrich-Tönjes-Straße. Zu jener Zeit hatte sich die Bevölkerungszahl im Gemeindekern deutlich erhöht, denn schon 1913 wurde zur Entlastung von Schortens und Heidmühle in Jungfernbusch eine weitere Volksschule gebaut.

Viel schneller verlief die wirtschaftliche und gewerbliche Entwicklung in Heidmühle nach der Fertigstellung der Bahnlinie. Die Vorzüge der neuen Verkehrsanbindung wurden schnell erkannt. Bereits drei Jahre später, also 1874, wurde im Bahnhof eine Postagentur für den Bereich der Gemeinde eingerichtet. Bis zum Ersten Weltkrieg hatte sich entlang der Oldenburger Straße ein Ortszentrum mit Geschäften und Dienstleistungsbetrieben und Gaststätten entwickelt.

Um das Jahr 1895 entstand das Gebäude der Aktienbrauerei (später „Verpflegungsamt“) an der Jeverschen Straße. Die Brauerei war bis 1920 in Betrieb. Etwas weiter an der heutigen Bebelstraße entstand um die Jahrhundertwende ein Kalksandsteinwerk, das bis zum Jahr 1914 produzierte. Geschäftsbauten entstanden an der Bahn und an der Ladestraße, die zu einem wichtigen Umschlagplatz für Brennstoff und landwirtschaftliche Erzeugnisse wurde.

Neue Wohngebiete entstehen

In jener Zeit entstanden auch erste neue Wohngebiete rund um den Ortskern von Heidmühle, der Ort vergrößerte sich in Richtung Klosterneuland und Feldhausen. Der früher für die landwirtschaftliche Nutzung nicht so reizvolle Boden erwies sich als ein idealer Baugrund. Die wohnbaulichen Erschließungen wurden bis in die heutige Zeit fortgesetzt und führten zum Zusammenwachsen der Orte Heidmühle und Schortens.

Endgültig zum neuen Zentrum der Gemeinde wurde Heidmühle 1937. Die Gemeindeväter der inzwischen durch eine Gebietsreform vergrößerten Kommune beschlossen, den Verwaltungssitz von der Ecke Menkestraße/Diekenweg an die Ecke Oldenburger Straße/Johann-Warner-Weg zu verlegen. Am 1. Juli 1937 wurde das neue Rathaus bezogen.

Im Zuge der Nachkriegsentwicklung gab es eine Konzentrierung des gewerblichen Lebens auf Heidmühle. Neue und große Einkaufsmärkte entstanden in Heidmühle, wo sich inzwischen auch das Schulwesen konzentriert hat.

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