AIDA statt Grünkohl

In der Zeit unseres Grünkohlessens wurde ich zu einer Kreuzfahrt mit der AIDAstella von Dubai nach Muskat im Oman, Abu Dhabi, Manama auf Bahrain und zurück nach Dubai eingeladen.
1958 wird erstes Erdöl in Abu Dhabi und danach in Dubai gefunden und von Großbritannien, dass sich aber 1970 aus der Region zurückzieht, vermarktet. Deshalb schlossen sich 1971 die Emirate Abu Dhabi, Dubai und 5 weitere kleinere zu den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) zusammen. Der Präsident ist immer der Scheich von Abu Dhabi, der Vizepräsident und Ministerpräsident der Scheich von Dubai.
In einer Gegend mit Hütten aus Palmwedeln und Lehm ohne Straßen beginnt nun ein gewaltiger Bauboom, denn die Scheichs investieren die riesigen Öleinnahmen in Infrastruktur, Gebäude und Bildung.
In Dubai wird früh erkannt, dass die Ölvorräte nicht unendlich sind und man will Einnahmen vor allem aus dem Tourismus erzielen. Es werden Superlative gebaut: der höchste Turm der Welt mit 828m, die größten Wasserfontänen, das größte Aquarium, das größte Einkaufszentrum mit 1.200 Geschäften, der größte Wasserpark, das höchste und teuerste Hotel, die größte Gartenanlage. Dubai hat die größte Wolkenkratzerdichte und die höchste Millionärsdichte. Jetzt im Bau ist ein Turm, der weit über 1.000m hoch wird und zur Expo 2020 fertig sein soll. Auch für die Expo wird gewaltig gebaut.
Abu Dhabi hat noch für über 100 Jahre Öl, setzt aber auch jetzt schon auf Bankgeschäfte und Tourismus, nur nicht so gigantisch wie Dubai, aber auch mit Superlativen wie z. B. die große Moschee für 40.000 Gläubige mit dem größten handgeknüpften Teppich der Welt und dem größten Kronleuchter, das neue Museum Louvre Abu Dhabi oder das luxuriöseste Hotel Emirates Palace mit über 1 km Breite. Eine Suite von über 6000 Quadratmeter ist für den Scheich von Abu Dhabi reserviert und die anderen 6 Scheichs der VAE haben eine etwas kleinere Suite geschenkt bekommen. Der Scheich möchte eine grüne, blühende Stadt und lässt die Pflanzen täglich mit 950 Millionen Liter, zu 97% aus Meerwasserentsalzungsanlagen, bewässern.
Im Oman herrscht der in der Bevölkerung beliebte Sultan Quaboos seit 1970 und hat durch die Einnahmen aus dem Erdöl in Infrastruktur, Gebäude und Bildung investiert ,das Land aus dem Mittelalter in die Moderne geführt und dem Tourismus geöffnet. Die Nachfolger des jetzt 77-jährigen kinderlosen Herrschers ist ungeklärt.
Bahrain ist ein aus 33 Inseln bestehendes Königreich mit der Hauptinsel Bahrain (48×16 km). 1932 wurde hier das erste Erdöl gefunden, der Vorrat geht zu Ende, deshalb wird hier jetzt als Einnahmequelle ein Finanzzentrum errichtet. Um Bahrain in der Welt bekannt zu machen, wurde eine Formel1-Rennstrecke gebaut. Bahrain ist seit 1971 unabhängig als Emirat und seit 2002 Königreich mit guten Beziehungen zum Königshaus in Saudi-Arabien. Beide Länder sind durch eine Brücke verbunden.
Folgende Unterschiede zu Deutschland fallen bei Einheimischen in Dubai und Abu Dhabi auf:
– Polygamie ist erlaubt, ein Mann darf bis zu 4 Frauen haben, muss sie aber alle gleich behandeln. Ist rückläufig, weil es sich viele Männer finanziell nicht leisten können.
– Die Einheimischen wohnen in einer Großfamilie mit 3 oder mehr Generationen. Im hiesigen Wortschatz gibt es Wörter wie Seniorenresidenz oder Altenwohnzentrum nicht.
– Es sind Wohlfahrtsstaaten, keine oder sehr niedrige Steuern, wie ab jetzt 5% Mehrwertsteuer in Abu Dhabi, staatlich finanziertes Gesundheitssystem und kostenloses Studium. Heirateten zwei Einheimische, bekommen sie nach Verfügbarkeit ein Haus geschenkt.
– Die Staaten werden von einer Familie beherrscht, die innerhalb ihrer Verwandtschaft alle wichtigen Posten in Regierung und Wirtschaft vergibt.
– Die Bevölkerungszahl ist in 50 Jahren um 10.000% gestiegen.
– Rasantes Wachstum; in Dubai gab es 1999 noch keinen Wolkenkratzer, jetzt sind dort weltweit die meisten.
– Es ist sehr sicher und es gibt fast keine Kriminalität.
– Eine konsequente Rechtsprechung; hat z. B. ein Fremdarbeiter gestohlen, verliert er sofort seinen Arbeitsplatz und muss das Land verlassen.
– Es gibt keine Armut und Arbeitslosigkeit.
– Das Benzin kostet ca. 50 Cent/Liter, ein Liter Trinkwasser ist teurer.
– Das Leben und das Rechtssystem werden vom Islam geprägt: Unser Freitag ist deren Sonntag und unser Sonntag ist hier normaler Arbeitstag. Am Sonntag ist das Mittagsgebet um 12 Uhr für Männer verpflichtend.

Bild links: Mit 828m Höhe das höchste Gebäude der Erde; der Burj Khalifa in Dubai

Plattdeutsch in der Altenpflege

Im November waren Altenpflegeschüler und -schülerinnen der Fachschule Altenpflege der Berufsbildenden Schule aus Wilhelmshaven im Heimathaus und haben sich die ostdeutsche Sammlung der Heimatvertriebenen angesehen, weil jetzt vermehrt die Kinder der Nachkriegsheimatvertriebenen in Altenheime kommen und dann von ihren Kindheitserinnerungen in ihrer Heimat erzählen. Dabei wurde auch beklagt, dass es immer wieder Heimbewohner gibt, die fast nur plattdeutsch sprechen oder mit zunehmender Demenz wieder verstärkt anfangen wie in ihrer Jugendzeit mit dem Plattdeutschen. Die Schüler und Schülerinnen könnten dann mit diesen Bewohnern kein Gespräch führen. Wir haben vereinbart, zwei Nachmittage in der Schule eine Kurzeinweisung ins Plattdeutsche zu machen. Der Plattdeutschbeauftragte des Landkreises hatte mir glücklicherweise erzählt, dass es kostenlose Hefte „Plattdeutsch in der Altenpflege“ zu Unterrichtszwecken gibt:

Ich habe zuerst einige plattdeutsche Sätze vorgelesen und sie dann von den Schülern und Schülerinnen nachsprechen lassen. Danach wurden von der Lehrerin Situationen vorgegeben und an einzelne Gruppen verteilt, wie z.B.
– Herr Peters wird ambulant gepflegt
– Herr Peters soll nach Kurzzeitpflege wieder nach Hause
– Morgenvisite im Heim
– Fragen nach der Befindlichkeit
Die Gruppen bekamen Zeit, aus dem Heft passende Sätze für ein Gespräch herauszuschreiben und dann mit mir sich zu unterhalten. Es klappte recht gut, aber es müsste noch viel geübt werden.
Besteht bei Mitgliedern und Gästen Interesse an einer plattdeutschen Klönrunde? Früher gab es so etwas schon einmal im Heimatverein. Wenn ja, bitte melden.

Beiern

An Heiligabend vor dem letzten Nachmittagsgottesdienst und an Silvester von 16 bis 17 Uhr findet das traditionelle Beiern mit den drei Glocken der St.Stephanus-Kirche statt. Bei feststehender Glocke wird der Klöppel in einem bestimmten Rhythmus erst vorsichtig und dann immer kräftiger gegen die Glocke gezogen, endend mit einem kräftigen Doppelanschlag. Dann wird wieder mit leichten Schlägen begonnen. Eine Glocke sollte mit dem Beiern beginnen, die nächste sollte mittelstark und die dritte kräftig angeschlagen werden, sodass sich ein Glockengesang ergibt. Das Beiern findet im Wechsel mit dem normalen Läuten statt. Da der Klöppel der Südglocke 95 kg schwer ist, freut sich der Beierer, wenn nach ungefähr 8 Minuten für ihn durch das Läuten eine Erholungspause entsteht. Das Beiern hat in Schortens eine lange Tradition. Jugendliche übten diesen Brauch aus und sammelten im Dorf ein Traktament. Dies erzählte mir Hans-Wilhelm Grahlmann, der selber viele Jahre gebeiert hat und diesen Brauch nach einer Pause während des Krieges wiederbelebt hat. Ich fragte, was ein Traktament sei und er antwortete auf seine Art: „Wat to freeten und wat to supen“, also etwas zu essen und was zu trinken. Da die Jugendlichen das Trinken übertrieben haben, beschloss 1862 der Kirchenrat, dass dieser Brauch von Kirchenbediensteten und Nachbarn ausgeübt werden sollte. Bis in die 80ziger Jahre wurde auch noch am 1. Weihnachtstag von 7.30 bis 8 Uhr für die in der Nachbarschaft im Stall tätigen Bauern gebeiert. Da es aber immer weniger Bauern in der Nachbarschaft gab, wurde dies auch auf Wunsch der Nachbarn eingestellt. An Silvester bekommen die Beierleute Besuch vom Bürgermeister oder Vertreter, die „Klockenschmeer“ überreichen, etwas Alkoholisches, das aber nicht für die Glocken sondern für die Beierer als Dank für die Aufrechterhaltung dieses Brauches gedacht ist. Der Heimatverein sorgt für ein wärmendes Getränk im meistens kalten Glockenturm.
Die Beierleute treffen sich dann im nächsten Jahr mit ihren Ehefrauen zu einem gemütlichen Abend.